{"id":12541,"date":"2023-01-06T16:37:26","date_gmt":"2023-01-06T15:37:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/an-der-westfront\/"},"modified":"2025-06-27T07:40:37","modified_gmt":"2025-06-27T06:40:37","slug":"an-der-westfront","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/an-der-westfront\/","title":{"rendered":"An der Westfront"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Als der junge Held Boelcke fiel, ging ein tiefes Trauern durch das deutsche Volk und das Gef\u00fchl: &#8222;Wir werden nimmer seinesgleichen sehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber das Gel\u00f6bnis, das die Fliegertruppe am Grabe Boelckes ablegte, seinen Geist lebendig zu erhalten und ihm allezeit nachzueifern mit allen Kr\u00e4ften des Geistes und K\u00f6rpers, dieses Gel\u00f6bnis hat sie treulich gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus der gro\u00dfen Zahl seiner Sch\u00fcler sind neue erfolggekr\u00f6nte K\u00e4mpfer erstanden, und mit ihnen als erster der, den das Volk in den letzten Monaten mit einem ebenso j\u00e4hen Flug zur Sonnenh\u00f6he des Ruhmes hat emporsteigen sehen, und der ganz wie Boelcke neben sich auch einen Kreis gl\u00e4nzender, von demselben Geist durchgl\u00fchter, von ihm zur erfolgreichsten Nacheiferung angespornter engerer Genossen herangebildet hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich brauche seinen Namen nicht erst zu nennen; jedermann im Volk jauchtzt heute dem Freiherrn von Richthofen zu, den der Kaiser j\u00fcngst zum Rittmeister gemacht hat. Und ehrenvoll hebt der heutige Heeresbericht neben ihm seine ganze Jagdstaffel hervor, die gestern von den an der ganzen Westfront herabgeschossenen feindlichen 24 Flugzeugen allein 14 zur Strecke gebracht hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein gl\u00fccklicher Zufall f\u00fchrte mich gerade am Abend von diesem Tage als Gast zu der jagdstaffel Richthofen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es dunkelte bereits, und so sah ich an diesem Abend nur die h\u00fcbschen Kafinor\u00e4ume, die ein kunstverst\u00e4ndiges Mitglied der Staffel selber mit Sorgfalt und Geschmack durch Wandbespannungen, Teppiche und Bilder wohnlich und behaglich gestaltet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00c4hnlich behaglich waren auch die einzelnen Wohnzimmer der Offiziere eingerichtet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richthofens Wohnung wurde mir von seinem Kameraden mit besonderem Stolz gezeigt. Sie war mit den Troph\u00e4en seiner Laufbahn, den farbigen Nationalzeichen der von ihm abgeschossenen Flugzeuge und anderen Teilen derselben verziert. An der Decke hing, geschickt zu einem mehrarmigen Kronleuchter umgearbeitet, ein feindlicher Gnome-Motor, \u00fcber der T\u00fcr das Maschinengewehr seines gef\u00e4hrlichsten Gegners, des englischen Majors Hawker, der einer der erfolgreichsten englischen Kampfflieger gewesen sein soll.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Wohnlichkeit des Heims &#8211; die sie sich \u00fcbrigens gegen die stete Gefahr feindlichen Bombenwurfs verteidigen m\u00fcssen &#8211; ist von nicht zu untersch\u00e4tzender Bedeutung. Denn nur die unbedingteste, durch k\u00f6rperliches und geistiges Wohlbefinden gew\u00e4hrleistete Herrschaft \u00fcber die Nerven erm\u00f6glicht es, den au\u00dferordentlichen Anforderungen des Luftkampfes zu entsprechen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dem historischen Sinn macht es Freude, in der Geschichte unseres Volkes immer wieder dieselben Namen alter Geschlechter mit Auszeichnung hervortreten zu sehen. Wie sind, um nur etwas herauszugreifen, die Familien der B\u00fclow, Goeben, Alvensleben usw. mit den Kriegen Preu\u00dfens verkn\u00fcpft und auch sonst mit seinem Leben und Wesen; wer Fontane kennt, der wei\u00df das.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Richthofens sind unserem Volk schon viel gewesen. Vor allem f\u00fcr die engere schlesische Landschaft, wo sie mit vielen Zweigen sitzen. Sie find bisher weniger auf soldatischem als auf anderen Gebieten hervorgetreten. Jetzt war durch diesen jungen Offizier vor mir auch das geschehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sah ihn mir w\u00e4hrend des Abendessens mit heimlicher Freude an. Er war wie Boelcke nur mittelgro\u00df, kr\u00e4ftig gebaut, sein Kopf mit der gew\u00f6lbten Stirn und den germanisch hellen und blauen Augen &#8211; deren Ausdruck auffallend an die Boelckes erinnerte &#8211; setzte mich in Verwunderung durch die fast rosige frische der Farbe. Da stand nichts geschrieben von der ungeheuren Nervenanspannung, die mit den t\u00e4glichen Einzelk\u00e4mpfen auf Tod und Leben verbunden gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch sein ganzes Wesen war von einer \u00fcberraschend ruhigen, zur\u00fcckhaltenden, fast zarten Art, \u00fcberaus wohltuend sein und ganz einfach, ohne einen Schatten von Ruhmredigkeit, wenn auch der freudige Stolz auf seinen jungen Glanz in der Seele erkennbar war &#8211; und seine Ruhe h\u00e4tte gemacht sein M\u00fbssen, wenn das nicht so gewesen w\u00e4re. Einzig das stark gebildete Kinn vielleicht verriet, wie er auf seine ganze Umgebung wirkte, die an ihrem F\u00fchrer sichtlich mit einer ganz eigenartigen Mischung von froher Kameradschaft, begeisterter Bewunderung und absolutem F\u00fcgen hing&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Frage, ob er seine Erfolge einer besonderen Technik im Luftkampf zuschreibe, verneinte er ganz entschieden. Irgend etwas Derartiges habe er nicht. Nat\u00fcrlich m\u00fcsse man seine Machine beherschen; auf besondere Kunstfliegerei, \u00fcberraschende Sturzfl\u00fcge, &#8222;Loopings&#8220; und dergleichen lege er aber kein Gewicht und f\u00f6rdere sie auch in seiner Staffel nicht. &#8222;Rangehen&#8220;, das sei alles.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Fliegerkreisen hatte ich fr\u00fcher als die physische Grundlage der Erfolge Boelckes wie Immelmanns eine eigent\u00fcmliche F\u00e4higkeit dieser beiden schildern h\u00f6ren, pl\u00f6tzliche St\u00fcrze durch gro\u00dfe H\u00f6hen- und damit Luftdruckunterschiede, die bei anderen sekundenlange Benommenheiten hervorbr\u00e4chten, ohne jede Bewu\u00dftseinsst\u00f6rung zu \u00fcberstehen. Sie sollten daher imstande gewesen sein, den Gegner unversehens von oben her zu \u00fcberfallen und zu erlegen, ehe er selbst recht zum Erfassen seiner Lage gelangte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richthofen l\u00e4chelte dar\u00fcber. Er glaubt nicht, da\u00df Boelcke durch eine besondere physische Gewappnetheit gegen atmosf\u00e4rische Einfl\u00fcsse einen rein k\u00f6rperlichen Vorsprung vor anderen gehabt habe; Boelcke sei ja vielmehr sogar Asthmatiker gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihm selbst sei die ganze Vorstellung einer Bewu\u00dftseinstr\u00fcbung durch rasche Druckunterschiede \u00fcberhaupt unbekannt; er versp\u00fcre auch bei den gr\u00f6\u00dften und raschesten H\u00f6henabst\u00fcrzen nicht die geringsten k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Laufe des Gespr\u00e4ches fragte ich ihn, ob er nach solchem Luftkampf sich in au\u00dfergew\u00f6hnlicher Erregung, in einer Vibration des ganzen Nervensystems befinde. &#8222;Nein&#8220;, meinte er, &#8222;das kann ich durchaus nicht sagen. Ich bin nur am Ende eines Tages, wo ich mehrmals geflogen bin, einfach ganz hundem\u00e4\u00dfig m\u00fcde und sehne mich nach dem Bettzipfel.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er geht in der Tat stets sehr fr\u00fch zu Bett. Auch heute tat er es bereits vor zehn Uhr. Nachher sagten mir seine Kameraden, die an ihrem F\u00fchrer mit einer ganz eigent\u00fcmlichen und wunderh\u00fcbschen Mischung von Freundschaft, Bewunderung und Stolz hingen, einiges, worin sie das Geheimnis seiner \u00dcberlegenheit s\u00e4hen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor allem habe er ein fabelhaftes Auge, das geradezu ein Ph\u00e4nomen sei. Er sehe stets doppelt und dreimal so viel und so scharf wie die anderen. Wenn noch niemand am fernen Himmel feindliche Flieger gewahren k\u00f6nne, er entdecke sie, ihre Zahl und Art genau, und sein Auge lasse sie in dem flimmern der Luft nicht wieder los. Dieses J\u00e4gerauge helfe ihm auch bei Flug und Schu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ein zweites sei seine unb\u00e4ndige Entschlossenheit und Z\u00e4higkeit. Er gehe immer sofort und geradeswegs auf den ins Auge gefa\u00dften Gegner los und lasse ihn nicht wieder locker, bis er erledigt sei; der Gedanke, da\u00df auch er getroffen werden k\u00f6nne, scheine gar nicht in seinen Sinn zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie bei Boelcke ersch\u00f6pft sich Richthofens Wirksamkeit und Wert f\u00fcr uns aber, wie schon gesagt, nicht in seinen pers\u00f6nlichen Kampfleistungen, sondern er hat sich in seiner Staffel auch eine Sch\u00fcler- und Gehilfenschar geschaffen, die er, von Boelckeschem Geist erf\u00fcllt, zu den h\u00f6chsten Leistungen anspornt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der im August vorigen Jahres aufgestellten Jagdstaffel Boelcke, die seitdem diesen Namen weitertr\u00e4gt und ihm Ehre macht und heute &#8211; das hei\u00dft, am Tage, von dem ich rede &#8211; mit 130 gef\u00e4llten Gegern weitaus an der Spitze unserer Kampfflugzeuggeschwader steht, hat sich die Jagdstaffel Richthofen seit Januar bereits zur zahl 70 erhoben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von der etwas gr\u00f6\u00dferen Schar der Staffel waren heute neun Fliegeroffiziere zugegen. Alle ganz junge Menschen, keiner anscheinend \u00e4lter als der F\u00fchrer, die meisten schienen etwa 22 bis 23 Jahre.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter ihnen dem F\u00fbhrer an Fliegerruhm am n\u00e4chsten kam Leutnant Sch\u00e4fer, ein hoch und schlank gewachsener Mann, der 16 Feinde besiegt hatte. Sodann der junge, bewegliche und humoristische Leutnant Wolff mit 9. Seit kurzem hatte der F\u00fchrer auch seinen j\u00fcngeren Bruder, Leutnant Freiherr Lothar von Richthofen, in seine Staffel ausgenommen und flog gern gemeinsam mit ihm.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in den anderen, die noch nicht die gleichen Leistungen aufweisen konnten, lebte doch unverkennbar der Stolz, zu dieser Staffel zu geh\u00f6ren. Es war eigentlich ein ganz merkw\u00fcrdiger Eindruck, zumal f\u00fcr mich als Hochschullehrer, der gew\u00f6hnt war, J\u00fcnglinge dieses Alters als Studenten um sich zu sehen, diesen Kreis junger M\u00e4nner hier zu beobachten, die in ihrem jugendlichen \u00c4u\u00dferen, in der frische und harmlosen Heiterkeit ihres Wesens, in ihrem Scherz und ihrer W\u00e4rmen sich ganz so wie einfache, fr\u00f6hliche, gute Jungen darstellten, und das auch ohne Frage sind &#8211; und die jetzt doch zugleich bewunderte Helden waren, die doch jeder von ihnen mehr als einen Menschen in gefahrvollstem Einzelkampf hoch \u00fcber dem Erdboden besiegt hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eines erkannte ich: es ist doch eben gerade die gro\u00dfe Jugend, die im Vollbesitz ihrer Nervenelastizit\u00e4t ist und nur lebt und handelt, die das leisten kann, was wir von unseren Kampffliegern leisten sehen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sehr verschieden war die Charakteristik, die sie ihren franz\u00f6sischen und englischen Gegnern zuteil werden lie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Den franz\u00f6sischen Flieger schienen sie als Gegner weniger hochzuachten als den englischen. Der Franzose fliege geschickt, sie aber \u00fcberaus vorsichtig, und es komme darauf an, ihn zum Luftkampf \u00fcberhaupt zu stellen oder ihn zu \u00fcberraschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ganz umgekehrt der Engl\u00e4nder, der immer und unbedingt jeden Kampf annehme, den man ihm biete; in dessen Hirn der Gedanke, da\u00df es anders sein k\u00f6nnte, gar nicht m\u00f6glich scheine, oft, wenn es sogar geradezu dumm w\u00e4re, nicht aus dem Wege zu gehen. Die englischen Flieger seien durch die Bank au\u00dferordentlich verwegen, oft besser eigentlich unbesonnen, so da\u00df man annehmen m\u00fcsse, es herrsche bei ihnen eine \u00e4u\u00dfert harte Diziplin, oder sie denken \u00fcberhaupt nicht viel und gehen, wenn ein Befehl vorliegt, einfach los&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Morgenfr\u00fche des 13. spannte sich frosthelle Luft und ein wolkenloser Himmel \u00fcber dem Flugplatz und der weiten Ebene. Flugwetter ! Der Kanonendonner der Arrasschlacht hatte in den letzten Tagen abgeebt; w\u00e4hrend der nacht hatte es nur ab und zu ein wenig gerollt, obwohl wir von der Front nur wenige Kilometer entfernt waren, und heute in der Fr\u00fche war in der heiteren, sonnendurchgl\u00e4nzten Luft \u00fcberhaupt nichts zu h\u00f6ren. Aber die Flieger blinzelten in die flimmernde Bl\u00e4ue hinauf, wie in animalischer Witterung, und schauten ihren F\u00fchrer an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Heute wird es regnen&#8220;, sagten sie und lachten. Als wir zum Startplatz schritten, gl\u00e4nzten rings im tauenden Reif die niedrigen Schuppen und H\u00e4uschen des Flugplatzes wie frisch gewaschen. Am Rand des freien Flugfeldes standen f\u00fcnf Doppeldecker in einer Reihe zum Abflug bereit; ein sechster, der des Freiherrn von Richthofen, etwas vorw\u00e4rts zur Seite. Alle waren eines Typs, kurz und gedrungen und kleiner, als ich sie bisher gesehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und, was noch mehr gegen fr\u00fchere Zeiten abstach, alle verschieden bemalt. Wie bunte schillernde Rieseninsekten, wie ein Schwarm leuchtender Schmetterlinge, die sich mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln am Boden sonnen, sahen sie von weitem aus. Das Prinzip, sich m\u00f6glichst luftfarbig zu machen, war hier ganz verlassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Unsichtbarkeit&#8220;, erkl\u00e4rte mann mir, &#8222;erreicht man doch nicht, wohl aber l\u00e4uft man Gefahr einer Verwechslung feindlicher und befreundeter Flugzeuge. Diese verschiedenen Zeichen auf den R\u00fcmpfen sind in der Luft deutlich sichtbar, man erkennt sich w\u00e4hrend des Kampfes und kann sich unterst\u00fctzen.&#8220; Deshalb hatte jeder der Flieger siener pers\u00f6nlichen Maschine, mit der er immer flog und mit der er verwuchs wie mit einem lebenden Wesen, eine besondere Zeichnung gegeben, die es seinen Kameraden erlaubte, ihn beim Luftkampf im Auge zu behalten und stets zu wissen, wer die Maschine lenkte. Das eine Flugzeug hatte einen wei\u00dfen oder roten oder sonstwie gef\u00e4rbten Streifen, ein anderes trug ihn quer oder l\u00e4ngs und so weiter. Aus Richthfofens Augen lachte etwas wie der Stolz des Ritters, der seinen Schild und seine Helmzier beim Gegner gekannt und gef\u00fcrchtet wei\u00df. &#8222;Ich erreiche so, da\u00df mein Geschwader stets sieht, wo ich bin.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wirklich, wir empfinden schon sowieso sehr stark, wieviel alte Ritterlichkeit im modernen Luftkampfwesen wieder lebendig geworden ist; hier die pers\u00f6nliche Kennzeichnung der R\u00fcstungen durch weit leuchtende Zeichen vermehrte den Eindruck noch. Diese jungen Streiter zogen wirklich ganz so ninaus wie die mittelalterlichen Herren, von denen der Chronist Froissart aus dem 14. Jahrhundert so farbenreich erz\u00e4hlt, mit ihren Schimmernden B\u00e4ndern, Wappen und Standarten, die sie und ihren Stolz kenntlich machten auch bei geschlossenem Vizier.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einer nach dem anderen, die zum Starten bestimmt waren, warf sich in seine Fliegerkleidung, die wie ein Mittelding von Taucher und holl\u00e4ndischem Fischer aussah, und schlenderte, die H\u00e4nde in den weiten Hosentaschen, lachend und scherzend zwischen den von den Flugzeugwarten startbereit gehaltenen Maschinen herum oder umstand das gro\u00dfe Fernrohr, mit dem der Himmel sorgsam beobachtet wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Richthofen hatte die Tracht bereits angelegt und durchmusterte blo\u00dfen Auges aufmerksam das Firmament. Mit einem Male &#8211; ich selbst gewahrte oben im flirrenden Blau nirgends das geringste &#8211; wandte er sich rasch zu einer aufgeh\u00e4ngten Glocke und l\u00e4utete Alarm. Im Nu sprangen s\u00e4mtliche Monteure zu ihren Apparaten; jeder Flieger eilte zu dem seinigen, gestieg den Sitz, die Propeller donnerten los, eins nach dem anderen der kleinen, schnellen Flugzeuge rannte anfahrend eine Strecke \u00fcber den Erdboden dahin, l\u00f6ste sich los von ihm und stieg dann rasch ins Blau empor. Zuletzt Richthofens Maschine.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die zur\u00fcckgebliebenen Flieger, die Flugzeugwarte, die Ordonnanzen und Wachmannschaften, alles verfolgte nun mit gr\u00f6\u00dfter Spannung die Vorg\u00e4nge am Himmel. Jetzt erkannte auch ich, erst durch das Glas, dann ohne das, ein Geschwader englischer Flugzeuge; mindestens sechs, vielleicht mehr. Ich mu\u00df te sie scharf im Auge behalten, sosnt verlor ich sie sogleich wieder in der flimmernden Helle.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Flieger sahen anders. Sie erkannten und benannten die einzelnen Typen, und sie riefen emp\u00f6rt: &#8222;Welche Frechheit! Die kommen in kaum mehr als 2000 Meter H\u00f6he hier an! Was stellen die sich denn vor?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Engl\u00e4nder schienen jetzt zu stutzen und die Gefahr, die ihnen nahte, zu erkennen; sie kreisten unruhig durcheinander. Es dauerte nur wenige Minuten, da hatten die Unsrigen die gleich oder eine noch gr\u00f6\u00dfere H\u00f6he erreicht. Aus der Luft erklang das scharfe Geknatter des Maschinengewehrs; der Gegner hatte den Kampf angenommen. Alle Flugzeuge bildeten einen weit ausgezogenen Schwarm heller, durcheinanderkreisender Punkte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Nachbarn begleiteten mit lebhaften Reden und Geb\u00e4rden alle Phasen des Kampfes. &#8222;Da ist Richthofen! Sehen Sie ihn nicht? Dort oben!&#8216; &#8222;Da ist Sch\u00e4fer! Donnerwetter, er ist dicht hinter dem Kerl! Er l\u00df\u00a8t nicht locker!&#8220; &#8222;Das da mu\u00df Wolff sein! Ja, das ist er!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So und \u00e4hnlich flogen die Rufe durcheinander. Pl\u00f6tzlich ein gemeinsamer Triumphschrei &#8211; hoch am Firmament leuchtete ein stark flammender Punkt auf. &#8222;Ein Engl\u00e4nder brennt!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei Gott, welch phantastisches, furchtbares Schauspiel! Der Feuerpunkt vergr\u00f6\u00dferte sich rasch. Was f\u00fcr ein Glut mu\u00dfte das sein, die das augenblendede Himmelslicht so \u00fcberstrahlte und wei\u00dfgl\u00fchend am Himmel stand. Dann glitt der leuchtende Fleck abw\u00e4rts, er zog sich aus zu einer langen Flammenlinie, die wie ein riesiges, orangefarbenes Meteor \u00fcber den Himmel strich &#8211; \u00fcber den Tageshimmel.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war unleugbar sch\u00f6n, so sch\u00f6n, wie ich kaum je etwas gesehen. Und es war doch so entsetzlich zugleich, da\u00df der Atem stockte. Wenige Sekunden sp\u00e4ter sonderte sich am oberen Ende des Flammenstreifens ein tiefschwarzeer Rauchstreifen ab, so da\u00df das Ganze wie eine schaurliche Fackel am Himmel loderte. Am unteren Ende aber l\u00f6ste sich aus der Flamme, die dann am Himmel stehenblieb und erlosch, die Gestalt eines Flugzeuges los und sank taumelnd und kreisend abw\u00e4rts.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es schien sich manchmal noch wieder aufzurichten, im Gleitflug sich herunterretten zu wollen. Allein vergeblich. Langsam n\u00e4herte es sich dem Erdboden. Dann st\u00fcrzte es, aus mehreren hundert Metern H\u00f6he noch, senkrecht ab und verschwand hinter einer Bodenfalte &#8211; zu fern von uns, als da\u00df wir h\u00e4tten hineilen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;Da f\u00e4llt ein zweiter!&#8220; scholl es wieder durcheinander. Schaukelnd und pendelnd sah man ein anderes feindliches Flugzeug, in \u00e4hnlichen verzweifelten Kampf um Wiederaufrichtung, zur Erde sinken, umkreist von einem der Unsrigen, der es nicht loslie\u00df. Ohne zu brennen, st\u00fcrzte es schlie\u00dflich ebenfalls ab und verschwand hinter der einige Kilometer entfernten Bodenerhebung. Unmittelbar darauf aber k\u00fcndete eine gro\u00dfe, schwarze, hinter der Bodenfalte aufsteigende Wolke die Stelle, wo die feindliche Maschine zur Erde geschlagen und explodiert war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jetztglitt aus den L\u00fcften ein Doppeldecker hernieder und landete auf unserem Flugplatz. Ein Deutscher, aber nicht von unsrer Staffel. Eine laute Stimme aus dem Rumpfe &#8211; oder Sitz &#8211; rief: &#8222;Verwundet!&#8220; Sofort erklang schallend das Kommando: &#8222;Sanit\u00e4ter heran!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In eiligem Lauf rannte eine Schar von Sanit\u00e4tersmannschaften herzu. Zwei Leute sa\u00dfen in dem Flugzeug, das einem benachbarten Geschwader angeh\u00f6rte und sich mit in den Kampf gemischt hatte. Der eine von ihnen, ein Unteroffizierflieger, blutete stark und schien gro\u00dfe Schmerzen zu haben. Er wurde sorgf\u00e4ltig aus dem Sitz gehoben und in den Verbandsraum gebracht. Rasche Untersuchung ergab, da\u00df er einen Schu\u00df durch den Oberschenkel hatte, der allerdings schmerzhaft, aber nicht lebensgef\u00e4hrlich war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Inzwischen ging droben in den L\u00fcften der wilde Kampf weiter, mit Kreisen und Maschinengewehrgeknatter. &#8222;Seht, da brennt wieder einer!&#8220; Von neuem wiederholte sich das f\u00fcrchterliche Schauspiel des aufblitzenden Feuerpunktes, des im Sinken lang sich ausziehend orangegegl\u00fchenden Meteors und der daraus hervorwachsenden schwarzen Rauchfackel. Wieder l\u00f6ste sich aus der zuletzt stehenbleibenden und verl\u00f6schenden Flamme deutlich das taumelnde Flugzeug los. Durch das gro\u00dfe Fernrohr schien ein Mann erkennbar, der sich aus dem F\u00fchrersitz auf den einen Tragfl\u00fcgel gefl\u00fcchtet hatte und sich dort festklammerte. Dann war er aber nicht mehr sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pl\u00f6tzlich begannen rings um das sinkende Flugzeug zahlreiche farbige Punkte herumzuspringen und langsam in der Luft zu vergl\u00fchen. &#8222;Das sind seine Leuchtsignalkugeln, die sine in Brand geraten!&#8220; Auch dieser Gegner zerschmetterte binnen kurzem rettungslos am Boden. &#8222;Da kommt Leutnant Sch\u00e4fer zur\u00fcck!&#8220; Die Maschine scho\u00df in schr\u00e4gem Gleitflug heran und hielt. Wie eilten zu. Aus dem Sitz erhob sich Leutnant Sch\u00e4fers lange Gestalt und zog die Kappe von dem schwei\u00dfbedeckten Antlitz. &#8222;Na, wie steht&#8217;s?&#8220; scholl die Frage.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von den Lippen des Ank\u00f6mmlings aber klang eine Flut zorniger Ausrufe: &#8222;Himmelherrgottsakra, so eine Schweinerei! Ich hatte ihn, ich hatte ihn ganz sicher, ich war auf ein paar Dutzend Meter an ihm und lie\u00df ihn nicht los &#8211; und da mu\u00df das verdammte Maschinengewehr Ladehemmung haben &#8211; ausgerechnet!&#8220; Er war au\u00dfer sich vor Grimm. &#8222;Und das sch\u00f6nste ist, sie haben mir das &#8211; &#8222;er nannte einen Maschinenteil&#8220; &#8211; weggeschossen. Ich kann meine Maschine wahrscheinlich drei Tage lang nicht fliegen. Es ist zum&#8230;&#8220; W\u00fctend ging er von dannen, um sich umzuziehen&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und noch zwei feindliche Flieger, wieder ohne in Brand zu geraten, st\u00fcrzten vor meinen Augen vom Himmel herunter; zu fern, als da\u00df wir von hier aus uns um ihre Bergung selbst bem\u00fchen konnten; wie mu\u00dften das den in der Nachbarschaft des Absturzortes liegenden Truppenteilen \u00fcberlassen, wie es ja meist bei Luftk\u00e4mpfen der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der letzte Engl\u00e4nder &#8211; es schien nur noch einer &#8211; fl\u00fcchtete gegen Arras zu, der Kampf war zu Ende. Noch einige Minuten, und wie gro\u00dfe V\u00f6gel aus verschiedenen Himmelsrichtungen zu einem Beuteplatz kommen, erschien hier und da und dort aus dem Himmelsblau \u00fcber unserem Flugplatz eine unserer heimkehrenden Maschinen, zog in raschem Gleitflug lautlos heran und stand auf dem Rasen vor den Schuppen still.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Kaum eine halbe Stunde war vergangen, da waren sie alle wieder da. Die K\u00e4mpfer stiegen aus ihren Sitzen und standen lachend, stolz, gl\u00fccklich, lebhaft erz\u00e4hlend inmitten ihrer sie begl\u00fcckw\u00fcnschenden Kameraden und der mit Begeisterung um ihre Offizier gescharten Mannschaften. Niemand war verltezt. Das ganze h\u00e4tte wie ein frohes Sportspiel erscheinen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie wenig es das aber war, sah ich an Richthofens Maschine. Ein gegnerischer Maschinengewehrschu\u00df hatte die linke untere Tragfl\u00e4che getroffen und ihre Stoffbespannung auf etwa anderthalb Meter L\u00e4nge wie der Schnitt eines gro\u00dfen Messers aufgeschilitzt. Und dicht am F\u00fchrersitz lief an der \u00e4u\u00dferen Holzverkleidung eine zweite Schramme dahin, die zeigte, da\u00df ein anderes Gescho\u00df hart an seinem Leben vor\u00fcbergegangen war.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ergab sich, da\u00df von den f\u00fcnf im Kampf gef\u00e4llten Gegnern einer auf den F\u00fchrer Manfred von Richthofen kam. Damit hatte dieser den einundvierzigsten Feind herabgeholt. Boelcke ist gefallen, nachdem er seinen vierzigsten Gegner besiegt. Nur der Tod hinderte ihn, noch \u00f6fter zu fliegen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richthofens j\u00fcngerer Bruder Lothar, bisher noch Anf\u00e4nger, hatte sogar das Gl\u00fcck gehabt, zwei der Feinde herunterholen. Den vierten hatte Leutnant Wollf abgeschossen und damit seinen zehnten Gegner; den f\u00fcnften der t\u00fcchtige Vizefeldwebel Festner, der sich auch in j\u00fcngster Zeit schon mehrfach ausgezeichnet hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend sich die Flugzeugwarte sofort an den Maschinen zu schaffen machten, um entstandene Sch\u00e4den zu beseitigen, suchte der F\u00fchrer durch Befragung den Verlauf des Luftkampfes m\u00f6glichst zweifelsfrei festzustellen und an der Hand der Karte den Ort der Abst\u00fcrze zu ermitteln. Den Vizefeldwebel Festner, der dar\u00fcber die bestimmtesten Angaben machen konnte, sandte er mit dem Motorrad dorthin. Dann ging er zum Fernsprecher, um seine Meldung zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war nocht nicht zehn Uhr vormittags, als ich von der Jagdstaffel Richthofen Abschied nehmen mu\u00dfte, um weiterzureisen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Tag war noch lang und der Himmel hell. Ich schied mit dem Gef\u00fchl, da\u00df &#8222;noch mehr in der Luft lag&#8220;. Und wahrhaftig, so ist es gekommen. Was ich hatte mit ansehen d\u00fcrfen, war nur der Anfang eines noch gr\u00f6\u00dferen Tages gewesen, bisher wohl des gl\u00e4nzendsten in der Geschichte einer unserer Kampfstaffeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn der Leser wei\u00df es selbst &#8211; am n\u00e4chsten Tage enthielt der amtliche deutsche Heeresbericht f\u00fcr den 13. April die nachstehenden Worte: &#8222;Der Gegner verlor im Luftkampf 24 Flugzeuge, davon gingen 13 diesseits unserer Linien nieder. Die von Rittmeister Freiherrn von Richthofen gef\u00fchrte Jagdstaffel vernichtete allein 14 Flugzeuge; dabei scho\u00df Freiherr von Richthofen selbst seinen 41., 42. und 43. Gegner ab. Leutnant Wollf scho\u00df 4 feindliche Flugzeuge ab und erh\u00f6hte damit die Zahl seiner Siege auf 14. Leutnant Sch\u00e4fer besiegte 3 (also doch), Leutnant Freiherr von Richthofen, Leutnant Klein und Vizefeldwebel Festner je 2 Gegner.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6ge das Gl\u00fcck, das ihnen an diesem Tage l\u00e4chelte, den jungen Helden auch weiterhin hold sein, da\u00df sie sich dereinst im Frieden ihres Ruhmes freuen k\u00f6nnen, und des Dankes, den ihnen das Vaterland zollt!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Diesen Beitrag stellte aus seinem Buche &#8222;Der Wall von Eisen und Feuer&#8220; Prof. Dr. Wegener dankenswerterweise zur Verf\u00fcgung (Brockhaus, Leipzig), er berziste die Westfront als Kriegsberichterstatter der &#8222;K\u00f6lnischen Zeitung&#8220;. Es handelt sich hier um einen der aufschlu\u00dfreichsten Aufs\u00a8tze, die noch w\u00e4hrend des Krieges \u00fcber die Richthofen-Staffel erschienen.)&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[249],"source-language":[260],"source-id-tax":[319],"class_list":["post-12541","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-testimonial-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-italiaander-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.8 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>An der Westfront - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"An der Westfront. 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Und ehrenvoll hebt der heutige Heeresbericht neben ihm seine ganze Jagdstaffel hervor, die gestern von den an der ganzen Westfront herabgeschossenen feindlichen 24 Flugzeugen allein 14 zur Strecke gebracht hat.\r\n\r\nEin gl\u00fccklicher Zufall f\u00fchrte mich gerade am Abend von diesem Tage als Gast zu der jagdstaffel Richthofen.\r\n\r\nEs dunkelte bereits, und so sah ich an diesem Abend nur die h\u00fcbschen Kafinor\u00e4ume, die ein kunstverst\u00e4ndiges Mitglied der Staffel selber mit Sorgfalt und Geschmack durch Wandbespannungen, Teppiche und Bilder wohnlich und behaglich gestaltet hatte.\r\n\r\n\u00c4hnlich behaglich waren auch die einzelnen Wohnzimmer der Offiziere eingerichtet.\r\n\r\nRichthofens Wohnung wurde mir von seinem Kameraden mit besonderem Stolz gezeigt. Sie war mit den Troph\u00e4en seiner Laufbahn, den farbigen Nationalzeichen der von ihm abgeschossenen Flugzeuge und anderen Teilen derselben verziert. An der Decke hing, geschickt zu einem mehrarmigen Kronleuchter umgearbeitet, ein feindlicher Gnome-Motor, \u00fcber der T\u00fcr das Maschinengewehr seines gef\u00e4hrlichsten Gegners, des englischen Majors Hawker, der einer der erfolgreichsten englischen Kampfflieger gewesen sein soll.\r\n\r\nDiese Wohnlichkeit des Heims - die sie sich \u00fcbrigens gegen die stete Gefahr feindlichen Bombenwurfs verteidigen m\u00fcssen - ist von nicht zu untersch\u00e4tzender Bedeutung. Denn nur die unbedingteste, durch k\u00f6rperliches und geistiges Wohlbefinden gew\u00e4hrleistete Herrschaft \u00fcber die Nerven erm\u00f6glicht es, den au\u00dferordentlichen Anforderungen des Luftkampfes zu entsprechen.\r\n\r\nDem historischen Sinn macht es Freude, in der Geschichte unseres Volkes immer wieder dieselben Namen alter Geschlechter mit Auszeichnung hervortreten zu sehen. Wie sind, um nur etwas herauszugreifen, die Familien der B\u00fclow, Goeben, Alvensleben usw. mit den Kriegen Preu\u00dfens verkn\u00fcpft und auch sonst mit seinem Leben und Wesen; wer Fontane kennt, der wei\u00df das.\r\n\r\nAuch die Richthofens sind unserem Volk schon viel gewesen. Vor allem f\u00fcr die engere schlesische Landschaft, wo sie mit vielen Zweigen sitzen. Sie find bisher weniger auf soldatischem als auf anderen Gebieten hervorgetreten. Jetzt war durch diesen jungen Offizier vor mir auch das geschehen.\r\n\r\nIch sah ihn mir w\u00e4hrend des Abendessens mit heimlicher Freude an. Er war wie Boelcke nur mittelgro\u00df, kr\u00e4ftig gebaut, sein Kopf mit der gew\u00f6lbten Stirn und den germanisch hellen und blauen Augen - deren Ausdruck auffallend an die Boelckes erinnerte - setzte mich in Verwunderung durch die fast rosige frische der Farbe. Da stand nichts geschrieben von der ungeheuren Nervenanspannung, die mit den t\u00e4glichen Einzelk\u00e4mpfen auf Tod und Leben verbunden gewesen ist.\r\n\r\nAuch sein ganzes Wesen war von einer \u00fcberraschend ruhigen, zur\u00fcckhaltenden, fast zarten Art, \u00fcberaus wohltuend sein und ganz einfach, ohne einen Schatten von Ruhmredigkeit, wenn auch der freudige Stolz auf seinen jungen Glanz in der Seele erkennbar war - und seine Ruhe h\u00e4tte gemacht sein M\u00fbssen, wenn das nicht so gewesen w\u00e4re. Einzig das stark gebildete Kinn vielleicht verriet, wie er auf seine ganze Umgebung wirkte, die an ihrem F\u00fchrer sichtlich mit einer ganz eigenartigen Mischung von froher Kameradschaft, begeisterter Bewunderung und absolutem F\u00fcgen hing...\r\n\r\nMeine Frage, ob er seine Erfolge einer besonderen Technik im Luftkampf zuschreibe, verneinte er ganz entschieden. Irgend etwas Derartiges habe er nicht. Nat\u00fcrlich m\u00fcsse man seine Machine beherschen; auf besondere Kunstfliegerei, \u00fcberraschende Sturzfl\u00fcge, \"Loopings\" und dergleichen lege er aber kein Gewicht und f\u00f6rdere sie auch in seiner Staffel nicht. \"Rangehen\", das sei alles.\r\n\r\nIn Fliegerkreisen hatte ich fr\u00fcher als die physische Grundlage der Erfolge Boelckes wie Immelmanns eine eigent\u00fcmliche F\u00e4higkeit dieser beiden schildern h\u00f6ren, pl\u00f6tzliche St\u00fcrze durch gro\u00dfe H\u00f6hen- und damit Luftdruckunterschiede, die bei anderen sekundenlange Benommenheiten hervorbr\u00e4chten, ohne jede Bewu\u00dftseinsst\u00f6rung zu \u00fcberstehen. Sie sollten daher imstande gewesen sein, den Gegner unversehens von oben her zu \u00fcberfallen und zu erlegen, ehe er selbst recht zum Erfassen seiner Lage gelangte.\r\n\r\nRichthofen l\u00e4chelte dar\u00fcber. Er glaubt nicht, da\u00df Boelcke durch eine besondere physische Gewappnetheit gegen atmosf\u00e4rische Einfl\u00fcsse einen rein k\u00f6rperlichen Vorsprung vor anderen gehabt habe; Boelcke sei ja vielmehr sogar Asthmatiker gewesen.\r\n\r\nIhm selbst sei die ganze Vorstellung einer Bewu\u00dftseinstr\u00fcbung durch rasche Druckunterschiede \u00fcberhaupt unbekannt; er versp\u00fcre auch bei den gr\u00f6\u00dften und raschesten H\u00f6henabst\u00fcrzen nicht die geringsten k\u00f6rperlichen Beeintr\u00e4chtigungen.\r\n\r\nIm Laufe des Gespr\u00e4ches fragte ich ihn, ob er nach solchem Luftkampf sich in au\u00dfergew\u00f6hnlicher Erregung, in einer Vibration des ganzen Nervensystems befinde. \"Nein\", meinte er, \"das kann ich durchaus nicht sagen. Ich bin nur am Ende eines Tages, wo ich mehrmals geflogen bin, einfach ganz hundem\u00e4\u00dfig m\u00fcde und sehne mich nach dem Bettzipfel.\"\r\n\r\nEr geht in der Tat stets sehr fr\u00fch zu Bett. Auch heute tat er es bereits vor zehn Uhr. Nachher sagten mir seine Kameraden, die an ihrem F\u00fchrer mit einer ganz eigent\u00fcmlichen und wunderh\u00fcbschen Mischung von Freundschaft, Bewunderung und Stolz hingen, einiges, worin sie das Geheimnis seiner \u00dcberlegenheit s\u00e4hen.\r\n\r\nVor allem habe er ein fabelhaftes Auge, das geradezu ein Ph\u00e4nomen sei. Er sehe stets doppelt und dreimal so viel und so scharf wie die anderen. Wenn noch niemand am fernen Himmel feindliche Flieger gewahren k\u00f6nne, er entdecke sie, ihre Zahl und Art genau, und sein Auge lasse sie in dem flimmern der Luft nicht wieder los. Dieses J\u00e4gerauge helfe ihm auch bei Flug und Schu\u00df.\r\n\r\nEin zweites sei seine unb\u00e4ndige Entschlossenheit und Z\u00e4higkeit. Er gehe immer sofort und geradeswegs auf den ins Auge gefa\u00dften Gegner los und lasse ihn nicht wieder locker, bis er erledigt sei; der Gedanke, da\u00df auch er getroffen werden k\u00f6nne, scheine gar nicht in seinen Sinn zu kommen.\r\n\r\nWie bei Boelcke ersch\u00f6pft sich Richthofens Wirksamkeit und Wert f\u00fcr uns aber, wie schon gesagt, nicht in seinen pers\u00f6nlichen Kampfleistungen, sondern er hat sich in seiner Staffel auch eine Sch\u00fcler- und Gehilfenschar geschaffen, die er, von Boelckeschem Geist erf\u00fcllt, zu den h\u00f6chsten Leistungen anspornt.\r\n\r\nNeben der im August vorigen Jahres aufgestellten Jagdstaffel Boelcke, die seitdem diesen Namen weitertr\u00e4gt und ihm Ehre macht und heute - das hei\u00dft, am Tage, von dem ich rede - mit 130 gef\u00e4llten Gegern weitaus an der Spitze unserer Kampfflugzeuggeschwader steht, hat sich die Jagdstaffel Richthofen seit Januar bereits zur zahl 70 erhoben.\r\n\r\nVon der etwas gr\u00f6\u00dferen Schar der Staffel waren heute neun Fliegeroffiziere zugegen. Alle ganz junge Menschen, keiner anscheinend \u00e4lter als der F\u00fchrer, die meisten schienen etwa 22 bis 23 Jahre.\r\n\r\nUnter ihnen dem F\u00fbhrer an Fliegerruhm am n\u00e4chsten kam Leutnant Sch\u00e4fer, ein hoch und schlank gewachsener Mann, der 16 Feinde besiegt hatte. Sodann der junge, bewegliche und humoristische Leutnant Wolff mit 9. Seit kurzem hatte der F\u00fchrer auch seinen j\u00fcngeren Bruder, Leutnant Freiherr Lothar von Richthofen, in seine Staffel ausgenommen und flog gern gemeinsam mit ihm.\r\n\r\nAuch in den anderen, die noch nicht die gleichen Leistungen aufweisen konnten, lebte doch unverkennbar der Stolz, zu dieser Staffel zu geh\u00f6ren. Es war eigentlich ein ganz merkw\u00fcrdiger Eindruck, zumal f\u00fcr mich als Hochschullehrer, der gew\u00f6hnt war, J\u00fcnglinge dieses Alters als Studenten um sich zu sehen, diesen Kreis junger M\u00e4nner hier zu beobachten, die in ihrem jugendlichen \u00c4u\u00dferen, in der frische und harmlosen Heiterkeit ihres Wesens, in ihrem Scherz und ihrer W\u00e4rmen sich ganz so wie einfache, fr\u00f6hliche, gute Jungen darstellten, und das auch ohne Frage sind - und die jetzt doch zugleich bewunderte Helden waren, die doch jeder von ihnen mehr als einen Menschen in gefahrvollstem Einzelkampf hoch \u00fcber dem Erdboden besiegt hatten.\r\n\r\nEines erkannte ich: es ist doch eben gerade die gro\u00dfe Jugend, die im Vollbesitz ihrer Nervenelastizit\u00e4t ist und nur lebt und handelt, die das leisten kann, was wir von unseren Kampffliegern leisten sehen...\r\n\r\nSehr verschieden war die Charakteristik, die sie ihren franz\u00f6sischen und englischen Gegnern zuteil werden lie\u00dfen.\r\n\r\nDen franz\u00f6sischen Flieger schienen sie als Gegner weniger hochzuachten als den englischen. Der Franzose fliege geschickt, sie aber \u00fcberaus vorsichtig, und es komme darauf an, ihn zum Luftkampf \u00fcberhaupt zu stellen oder ihn zu \u00fcberraschen.\r\n\r\nGanz umgekehrt der Engl\u00e4nder, der immer und unbedingt jeden Kampf annehme, den man ihm biete; in dessen Hirn der Gedanke, da\u00df es anders sein k\u00f6nnte, gar nicht m\u00f6glich scheine, oft, wenn es sogar geradezu dumm w\u00e4re, nicht aus dem Wege zu gehen. Die englischen Flieger seien durch die Bank au\u00dferordentlich verwegen, oft besser eigentlich unbesonnen, so da\u00df man annehmen m\u00fcsse, es herrsche bei ihnen eine \u00e4u\u00dfert harte Diziplin, oder sie denken \u00fcberhaupt nicht viel und gehen, wenn ein Befehl vorliegt, einfach los...\r\n\r\nIn der Morgenfr\u00fche des 13. spannte sich frosthelle Luft und ein wolkenloser Himmel \u00fcber dem Flugplatz und der weiten Ebene. Flugwetter ! Der Kanonendonner der Arrasschlacht hatte in den letzten Tagen abgeebt; w\u00e4hrend der nacht hatte es nur ab und zu ein wenig gerollt, obwohl wir von der Front nur wenige Kilometer entfernt waren, und heute in der Fr\u00fche war in der heiteren, sonnendurchgl\u00e4nzten Luft \u00fcberhaupt nichts zu h\u00f6ren. Aber die Flieger blinzelten in die flimmernde Bl\u00e4ue hinauf, wie in animalischer Witterung, und schauten ihren F\u00fchrer an.\r\n\r\n\"Heute wird es regnen\", sagten sie und lachten. Als wir zum Startplatz schritten, gl\u00e4nzten rings im tauenden Reif die niedrigen Schuppen und H\u00e4uschen des Flugplatzes wie frisch gewaschen. Am Rand des freien Flugfeldes standen f\u00fcnf Doppeldecker in einer Reihe zum Abflug bereit; ein sechster, der des Freiherrn von Richthofen, etwas vorw\u00e4rts zur Seite. Alle waren eines Typs, kurz und gedrungen und kleiner, als ich sie bisher gesehen.\r\n\r\nUnd, was noch mehr gegen fr\u00fchere Zeiten abstach, alle verschieden bemalt. Wie bunte schillernde Rieseninsekten, wie ein Schwarm leuchtender Schmetterlinge, die sich mit ausgebreiteten Fl\u00fcgeln am Boden sonnen, sahen sie von weitem aus. Das Prinzip, sich m\u00f6glichst luftfarbig zu machen, war hier ganz verlassen.\r\n\r\n\"Unsichtbarkeit\", erkl\u00e4rte mann mir, \"erreicht man doch nicht, wohl aber l\u00e4uft man Gefahr einer Verwechslung feindlicher und befreundeter Flugzeuge. Diese verschiedenen Zeichen auf den R\u00fcmpfen sind in der Luft deutlich sichtbar, man erkennt sich w\u00e4hrend des Kampfes und kann sich unterst\u00fctzen.\" Deshalb hatte jeder der Flieger siener pers\u00f6nlichen Maschine, mit der er immer flog und mit der er verwuchs wie mit einem lebenden Wesen, eine besondere Zeichnung gegeben, die es seinen Kameraden erlaubte, ihn beim Luftkampf im Auge zu behalten und stets zu wissen, wer die Maschine lenkte. Das eine Flugzeug hatte einen wei\u00dfen oder roten oder sonstwie gef\u00e4rbten Streifen, ein anderes trug ihn quer oder l\u00e4ngs und so weiter. Aus Richthfofens Augen lachte etwas wie der Stolz des Ritters, der seinen Schild und seine Helmzier beim Gegner gekannt und gef\u00fcrchtet wei\u00df. \"Ich erreiche so, da\u00df mein Geschwader stets sieht, wo ich bin.\"\r\n\r\nWirklich, wir empfinden schon sowieso sehr stark, wieviel alte Ritterlichkeit im modernen Luftkampfwesen wieder lebendig geworden ist; hier die pers\u00f6nliche Kennzeichnung der R\u00fcstungen durch weit leuchtende Zeichen vermehrte den Eindruck noch. Diese jungen Streiter zogen wirklich ganz so ninaus wie die mittelalterlichen Herren, von denen der Chronist Froissart aus dem 14. Jahrhundert so farbenreich erz\u00e4hlt, mit ihren Schimmernden B\u00e4ndern, Wappen und Standarten, die sie und ihren Stolz kenntlich machten auch bei geschlossenem Vizier.\r\n\r\nEiner nach dem anderen, die zum Starten bestimmt waren, warf sich in seine Fliegerkleidung, die wie ein Mittelding von Taucher und holl\u00e4ndischem Fischer aussah, und schlenderte, die H\u00e4nde in den weiten Hosentaschen, lachend und scherzend zwischen den von den Flugzeugwarten startbereit gehaltenen Maschinen herum oder umstand das gro\u00dfe Fernrohr, mit dem der Himmel sorgsam beobachtet wurde.\r\n\r\nAuch Richthofen hatte die Tracht bereits angelegt und durchmusterte blo\u00dfen Auges aufmerksam das Firmament. Mit einem Male - ich selbst gewahrte oben im flirrenden Blau nirgends das geringste - wandte er sich rasch zu einer aufgeh\u00e4ngten Glocke und l\u00e4utete Alarm. Im Nu sprangen s\u00e4mtliche Monteure zu ihren Apparaten; jeder Flieger eilte zu dem seinigen, gestieg den Sitz, die Propeller donnerten los, eins nach dem anderen der kleinen, schnellen Flugzeuge rannte anfahrend eine Strecke \u00fcber den Erdboden dahin, l\u00f6ste sich los von ihm und stieg dann rasch ins Blau empor. Zuletzt Richthofens Maschine.\r\n\r\nDie zur\u00fcckgebliebenen Flieger, die Flugzeugwarte, die Ordonnanzen und Wachmannschaften, alles verfolgte nun mit gr\u00f6\u00dfter Spannung die Vorg\u00e4nge am Himmel. Jetzt erkannte auch ich, erst durch das Glas, dann ohne das, ein Geschwader englischer Flugzeuge; mindestens sechs, vielleicht mehr. Ich mu\u00df te sie scharf im Auge behalten, sosnt verlor ich sie sogleich wieder in der flimmernden Helle.\r\n\r\nDie Flieger sahen anders. Sie erkannten und benannten die einzelnen Typen, und sie riefen emp\u00f6rt: \"Welche Frechheit! Die kommen in kaum mehr als 2000 Meter H\u00f6he hier an! Was stellen die sich denn vor?\"\r\n\r\nDie Engl\u00e4nder schienen jetzt zu stutzen und die Gefahr, die ihnen nahte, zu erkennen; sie kreisten unruhig durcheinander. Es dauerte nur wenige Minuten, da hatten die Unsrigen die gleich oder eine noch gr\u00f6\u00dfere H\u00f6he erreicht. Aus der Luft erklang das scharfe Geknatter des Maschinengewehrs; der Gegner hatte den Kampf angenommen. Alle Flugzeuge bildeten einen weit ausgezogenen Schwarm heller, durcheinanderkreisender Punkte.\r\n\r\nMeine Nachbarn begleiteten mit lebhaften Reden und Geb\u00e4rden alle Phasen des Kampfes. \"Da ist Richthofen! Sehen Sie ihn nicht? Dort oben!' \"Da ist Sch\u00e4fer! Donnerwetter, er ist dicht hinter dem Kerl! Er l\u00df\u00a8t nicht locker!\" \"Das da mu\u00df Wolff sein! Ja, das ist er!\"\r\n\r\nSo und \u00e4hnlich flogen die Rufe durcheinander. Pl\u00f6tzlich ein gemeinsamer Triumphschrei - hoch am Firmament leuchtete ein stark flammender Punkt auf. \"Ein Engl\u00e4nder brennt!\"\r\n\r\nBei Gott, welch phantastisches, furchtbares Schauspiel! Der Feuerpunkt vergr\u00f6\u00dferte sich rasch. Was f\u00fcr ein Glut mu\u00dfte das sein, die das augenblendede Himmelslicht so \u00fcberstrahlte und wei\u00dfgl\u00fchend am Himmel stand. Dann glitt der leuchtende Fleck abw\u00e4rts, er zog sich aus zu einer langen Flammenlinie, die wie ein riesiges, orangefarbenes Meteor \u00fcber den Himmel strich - \u00fcber den Tageshimmel.\r\n\r\nEs war unleugbar sch\u00f6n, so sch\u00f6n, wie ich kaum je etwas gesehen. Und es war doch so entsetzlich zugleich, da\u00df der Atem stockte. Wenige Sekunden sp\u00e4ter sonderte sich am oberen Ende des Flammenstreifens ein tiefschwarzeer Rauchstreifen ab, so da\u00df das Ganze wie eine schaurliche Fackel am Himmel loderte. Am unteren Ende aber l\u00f6ste sich aus der Flamme, die dann am Himmel stehenblieb und erlosch, die Gestalt eines Flugzeuges los und sank taumelnd und kreisend abw\u00e4rts.\r\n\r\nEs schien sich manchmal noch wieder aufzurichten, im Gleitflug sich herunterretten zu wollen. Allein vergeblich. Langsam n\u00e4herte es sich dem Erdboden. Dann st\u00fcrzte es, aus mehreren hundert Metern H\u00f6he noch, senkrecht ab und verschwand hinter einer Bodenfalte - zu fern von uns, als da\u00df wir h\u00e4tten hineilen k\u00f6nnen.\r\n\r\n\"Da f\u00e4llt ein zweiter!\" scholl es wieder durcheinander. Schaukelnd und pendelnd sah man ein anderes feindliches Flugzeug, in \u00e4hnlichen verzweifelten Kampf um Wiederaufrichtung, zur Erde sinken, umkreist von einem der Unsrigen, der es nicht loslie\u00df. Ohne zu brennen, st\u00fcrzte es schlie\u00dflich ebenfalls ab und verschwand hinter der einige Kilometer entfernten Bodenerhebung. Unmittelbar darauf aber k\u00fcndete eine gro\u00dfe, schwarze, hinter der Bodenfalte aufsteigende Wolke die Stelle, wo die feindliche Maschine zur Erde geschlagen und explodiert war.\r\n\r\nJetztglitt aus den L\u00fcften ein Doppeldecker hernieder und landete auf unserem Flugplatz. Ein Deutscher, aber nicht von unsrer Staffel. Eine laute Stimme aus dem Rumpfe - oder Sitz - rief: \"Verwundet!\" Sofort erklang schallend das Kommando: \"Sanit\u00e4ter heran!\"\r\n\r\nIn eiligem Lauf rannte eine Schar von Sanit\u00e4tersmannschaften herzu. Zwei Leute sa\u00dfen in dem Flugzeug, das einem benachbarten Geschwader angeh\u00f6rte und sich mit in den Kampf gemischt hatte. Der eine von ihnen, ein Unteroffizierflieger, blutete stark und schien gro\u00dfe Schmerzen zu haben. Er wurde sorgf\u00e4ltig aus dem Sitz gehoben und in den Verbandsraum gebracht. Rasche Untersuchung ergab, da\u00df er einen Schu\u00df durch den Oberschenkel hatte, der allerdings schmerzhaft, aber nicht lebensgef\u00e4hrlich war.\r\n\r\nInzwischen ging droben in den L\u00fcften der wilde Kampf weiter, mit Kreisen und Maschinengewehrgeknatter. \"Seht, da brennt wieder einer!\" Von neuem wiederholte sich das f\u00fcrchterliche Schauspiel des aufblitzenden Feuerpunktes, des im Sinken lang sich ausziehend orangegegl\u00fchenden Meteors und der daraus hervorwachsenden schwarzen Rauchfackel. Wieder l\u00f6ste sich aus der zuletzt stehenbleibenden und verl\u00f6schenden Flamme deutlich das taumelnde Flugzeug los. Durch das gro\u00dfe Fernrohr schien ein Mann erkennbar, der sich aus dem F\u00fchrersitz auf den einen Tragfl\u00fcgel gefl\u00fcchtet hatte und sich dort festklammerte. Dann war er aber nicht mehr sichtbar.\r\n\r\nPl\u00f6tzlich begannen rings um das sinkende Flugzeug zahlreiche farbige Punkte herumzuspringen und langsam in der Luft zu vergl\u00fchen. \"Das sind seine Leuchtsignalkugeln, die sine in Brand geraten!\" Auch dieser Gegner zerschmetterte binnen kurzem rettungslos am Boden. \"Da kommt Leutnant Sch\u00e4fer zur\u00fcck!\" Die Maschine scho\u00df in schr\u00e4gem Gleitflug heran und hielt. Wie eilten zu. Aus dem Sitz erhob sich Leutnant Sch\u00e4fers lange Gestalt und zog die Kappe von dem schwei\u00dfbedeckten Antlitz. \"Na, wie steht's?\" scholl die Frage.\r\n\r\nVon den Lippen des Ank\u00f6mmlings aber klang eine Flut zorniger Ausrufe: \"Himmelherrgottsakra, so eine Schweinerei! Ich hatte ihn, ich hatte ihn ganz sicher, ich war auf ein paar Dutzend Meter an ihm und lie\u00df ihn nicht los - und da mu\u00df das verdammte Maschinengewehr Ladehemmung haben - ausgerechnet!\" Er war au\u00dfer sich vor Grimm. \"Und das sch\u00f6nste ist, sie haben mir das - \"er nannte einen Maschinenteil\" - weggeschossen. Ich kann meine Maschine wahrscheinlich drei Tage lang nicht fliegen. Es ist zum...\" W\u00fctend ging er von dannen, um sich umzuziehen...\r\n\r\nUnd noch zwei feindliche Flieger, wieder ohne in Brand zu geraten, st\u00fcrzten vor meinen Augen vom Himmel herunter; zu fern, als da\u00df wir von hier aus uns um ihre Bergung selbst bem\u00fchen konnten; wie mu\u00dften das den in der Nachbarschaft des Absturzortes liegenden Truppenteilen \u00fcberlassen, wie es ja meist bei Luftk\u00e4mpfen der Fall ist.\r\n\r\nDer letzte Engl\u00e4nder - es schien nur noch einer - fl\u00fcchtete gegen Arras zu, der Kampf war zu Ende. Noch einige Minuten, und wie gro\u00dfe V\u00f6gel aus verschiedenen Himmelsrichtungen zu einem Beuteplatz kommen, erschien hier und da und dort aus dem Himmelsblau \u00fcber unserem Flugplatz eine unserer heimkehrenden Maschinen, zog in raschem Gleitflug lautlos heran und stand auf dem Rasen vor den Schuppen still.\r\n\r\nKaum eine halbe Stunde war vergangen, da waren sie alle wieder da. Die K\u00e4mpfer stiegen aus ihren Sitzen und standen lachend, stolz, gl\u00fccklich, lebhaft erz\u00e4hlend inmitten ihrer sie begl\u00fcckw\u00fcnschenden Kameraden und der mit Begeisterung um ihre Offizier gescharten Mannschaften. Niemand war verltezt. Das ganze h\u00e4tte wie ein frohes Sportspiel erscheinen k\u00f6nnen.\r\n\r\nWie wenig es das aber war, sah ich an Richthofens Maschine. Ein gegnerischer Maschinengewehrschu\u00df hatte die linke untere Tragfl\u00e4che getroffen und ihre Stoffbespannung auf etwa anderthalb Meter L\u00e4nge wie der Schnitt eines gro\u00dfen Messers aufgeschilitzt. Und dicht am F\u00fchrersitz lief an der \u00e4u\u00dferen Holzverkleidung eine zweite Schramme dahin, die zeigte, da\u00df ein anderes Gescho\u00df hart an seinem Leben vor\u00fcbergegangen war.\r\n\r\nEs ergab sich, da\u00df von den f\u00fcnf im Kampf gef\u00e4llten Gegnern einer auf den F\u00fchrer Manfred von Richthofen kam. Damit hatte dieser den einundvierzigsten Feind herabgeholt. Boelcke ist gefallen, nachdem er seinen vierzigsten Gegner besiegt. Nur der Tod hinderte ihn, noch \u00f6fter zu fliegen.\r\n\r\nRichthofens j\u00fcngerer Bruder Lothar, bisher noch Anf\u00e4nger, hatte sogar das Gl\u00fcck gehabt, zwei der Feinde herunterholen. Den vierten hatte Leutnant Wollf abgeschossen und damit seinen zehnten Gegner; den f\u00fcnften der t\u00fcchtige Vizefeldwebel Festner, der sich auch in j\u00fcngster Zeit schon mehrfach ausgezeichnet hatte.\r\n\r\nW\u00e4hrend sich die Flugzeugwarte sofort an den Maschinen zu schaffen machten, um entstandene Sch\u00e4den zu beseitigen, suchte der F\u00fchrer durch Befragung den Verlauf des Luftkampfes m\u00f6glichst zweifelsfrei festzustellen und an der Hand der Karte den Ort der Abst\u00fcrze zu ermitteln. Den Vizefeldwebel Festner, der dar\u00fcber die bestimmtesten Angaben machen konnte, sandte er mit dem Motorrad dorthin. Dann ging er zum Fernsprecher, um seine Meldung zu machen.\r\n\r\nEs war nocht nicht zehn Uhr vormittags, als ich von der Jagdstaffel Richthofen Abschied nehmen mu\u00dfte, um weiterzureisen.\r\n\r\nDer Tag war noch lang und der Himmel hell. Ich schied mit dem Gef\u00fchl, da\u00df \"noch mehr in der Luft lag\". Und wahrhaftig, so ist es gekommen. Was ich hatte mit ansehen d\u00fcrfen, war nur der Anfang eines noch gr\u00f6\u00dferen Tages gewesen, bisher wohl des gl\u00e4nzendsten in der Geschichte einer unserer Kampfstaffeln.\r\n\r\nDenn der Leser wei\u00df es selbst - am n\u00e4chsten Tage enthielt der amtliche deutsche Heeresbericht f\u00fcr den 13. April die nachstehenden Worte: \"Der Gegner verlor im Luftkampf 24 Flugzeuge, davon gingen 13 diesseits unserer Linien nieder. Die von Rittmeister Freiherrn von Richthofen gef\u00fchrte Jagdstaffel vernichtete allein 14 Flugzeuge; dabei scho\u00df Freiherr von Richthofen selbst seinen 41., 42. und 43. Gegner ab. Leutnant Wollf scho\u00df 4 feindliche Flugzeuge ab und erh\u00f6hte damit die Zahl seiner Siege auf 14. Leutnant Sch\u00e4fer besiegte 3 (also doch), Leutnant Freiherr von Richthofen, Leutnant Klein und Vizefeldwebel Festner je 2 Gegner.\"\r\n\r\nM\u00f6ge das Gl\u00fcck, das ihnen an diesem Tage l\u00e4chelte, den jungen Helden auch weiterhin hold sein, da\u00df sie sich dereinst im Frieden ihres Ruhmes freuen k\u00f6nnen, und des Dankes, den ihnen das Vaterland zollt!\r\n\r\n(Diesen Beitrag stellte aus seinem Buche \"Der Wall von Eisen und Feuer\" Prof. Dr. Wegener dankenswerterweise zur Verf\u00fcgung (Brockhaus, Leipzig), er berziste die Westfront als Kriegsberichterstatter der \"K\u00f6lnischen Zeitung\". Es handelt sich hier um einen der aufschlu\u00dfreichsten Aufs\u00a8tze, die noch w\u00e4hrend des Krieges \u00fcber die Richthofen-Staffel erschienen.)\"\r\n\r\n&nbsp;\r\n\r\n&nbsp;"},"event-type-id":{"type":"numeric","raw":"6"},"source-id":{"type":"numeric","raw":"54"},"source-long-in-event":{"type":"textfield","raw":"Richthofen, der beste Jagdflieger des gro\u00dfen Krieges, Italiaander, A. 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