{"id":12886,"date":"2022-01-07T13:56:58","date_gmt":"2022-01-07T12:56:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/roy-brown-erzahlt\/"},"modified":"2025-05-24T10:59:48","modified_gmt":"2025-05-24T09:59:48","slug":"roy-brown-erzahlt","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/roy-brown-erzahlt\/","title":{"rendered":"Roy Brown erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">&#8222;A. Roy Brown, kanadischer Fliegerhauptmann, dessen Kugel Manfred von Richthofen t\u00f6tete, hat \u00fcber den Luftkampf, den er mit Manfred von Richthofen hatte und in dem der Deutsche fiel, folgendes erz\u00e4hlt: &#8222;Ich hatte einen Schulfreund, der jetzt mit mir zusammen im selben Geschwader stand. Das war Captain May, und wir beide waren wirklich gute Freunde. Am Sonntag vormittag, den 21. April 1918, waren wir zusammen in der Luft. Auf dem Heimweg stie\u00dfen wir auf eine Anzahl feindlicher Flieger. Wir gerieten in einen Kampf, und ich will es von vornherein sagen, da\u00df ich nach wenigen Sekunden die Hoffnung aufgegeben hatte, aus diesem Gefecht jemals lebendig herauszukommen. Immer aber sah ich zu meinem Freude Captain May her\u00fcber, und mein Herz klopfte vor Freude trotz alle Bedr\u00e4ngnis, als ich sah, da\u00df es May gelang, einen deutschen Flieger abzuschie\u00dfen. May drehte sofort nach seinem Sieg um, um nach Hause zu fliegen. Ich hatte ihm das ans Herz gelegt, weil er ein Neuling war und weil ihn ein Kampf so mitnehmen mu\u00dfte, da\u00df es keinen Zweck hatte, danach noch lange in der Luft zu bleiben. In dem Augenblick aber, als er davonscho\u00df, sah ich, wie ein rotes Flugzeug sich auf ihn warf. Da wurde mir \u00fcbel zumute. Aber, als ich mich daran machen wollte, um ihm zu Hilfe zu kommen, da mu\u00dfte ich selbst um mein Leben k\u00e4mpfen, denn drei Flieger kamen auf mich los, um mich zu erdr\u00fccken, ich stand im Kreuzfeuer ihrer Gewehre. Kein Ausweg! Jedenfalls wollte ich es f\u00fcr sie so ungem\u00fctlich wie m\u00f6glich machen! So, nur Ruhe! Ich kann mich nicht erinnern, Furcht gehabt zu haben. Sollte es das Ende sein, gut, dann wenigstens am F\u00fchrersitz meiner alten Maschine! Ich begann zu man\u00f6vrieren. Scho\u00df bald hier-, bald dorthin, \u00fcberschlug mich, spiralte, zickzackte, nur kein festes Ziel bieten! Ich versuchte jeden Trick, den ich kannte, einiges war mir selbst noch neu, hatte es nie vorher versucht. Leise wurde in mir der Gedanke wach, sie in einen Zusammensto\u00df zu verwickeln. Ich lie\u00df sie gerade auf mich loskommen, dann machte ich einen &#8222;Immelmann&#8220;, nach oben, dann zur\u00fcck. Unter ihnen kam ich wieder zum Vorschein. Gerade konnte ich sehen, wie zwei von ihnen um Haaresbreite aneinander vorbeischossen. Fast w\u00e4re der Dritte gefa\u00dft worden, h\u00e4tte er nicht einen gro\u00dfen Bogen gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte Zeit, Atem zu holen. W\u00e4hrend sie sich aufrichteten, versuchte ich mich in die H\u00f6he zu schrauben. Jetzt drehten sie und kamen wieder auf mich los. Ich hielt meinen Kurs, bis sie fast mit mir zusammenstie\u00dfen, dann kippte ich nach der Seite und lag nun flach unter ihnen. Wieder entgingen sie knapp dem Zusammensto\u00df. Mit aller Gewalt versuchte ich, H\u00f6he zu gewinnen. Beim Aufrichten verloren sie mich aus den Augen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein erster Gedanks war: wo ist May? Angstvoll suchte ich den Himmel nach ihm ab, hoffend, ihn noch lebendig zu sehen. Endlich entdeckte ich ihn, in der Richtung auf Corbie, n\u00f6rdlich von mir, nach Hause fleigend.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann bemerkte ich, da\u00df er verfolgt wurde. Aus dem Dunst heraus scho\u00df ein leuchtend rotes Flugzeug hinter ihm her, in so vorteilhafter Stellung, die leicht zum Verh\u00e4ngnis werden konnte. Ich schraubte mich weiter hoch, um eventuell May schnelle Hilfe zu bringen. Er versuchte zu entkommen, schwenkte jetzt hierhin, jetzt dorthin, zickzackte, doch der Rote blieb unentwegs rechts hinter ihm. Sie glichen zwei Riesenhornissen, die einander jagten, vorw\u00e4rts, seitw\u00e4rts, wieder herum. Sie machten alle Bewegungen gemeinsam. Jede Schwenkung Mays wurde von seinem Gegner wiederholt. Noch schien May ihm nicht unterlegen zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Doch bald sah ich, wie der Deutsche an Zwischenraum gewann. Er gab alle Man\u00f6ver auf, flog in gerader Linie.Er verringerte seinen Abstand zusehends. May war noch im Vorteil, gelang es ihm, sein Tempo beizubehalten, so&#8230; Pl\u00f6tzlich wurde mir klar, da\u00df er in der Falle sa\u00df. Er hatte alle Kunstst\u00fccke, die er kannte, versucht, er war am Ende seines Witzes. Der rote Flieger war kaum noch hundert Fu\u00df entfernt und lag auf der gleichen Ebene wie May; jeden Augenblick konnte er das Feuer er\u00f6ffnen. Zum Gl\u00fcck hatte ich inzwischen dreitausend Fu\u00df erreicht. Ich schwenkte scharf herum, drehte, richtete mich auf und dann, Kopf voran, scho\u00df ich auf das Schwanzende des Roten zu.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte alle Tr\u00fcmpfe in der Hand. War \u00fcber ihm und kam von hinten. May drehte und wand sich wie ein Fish an der Angel. Der &#8222;Rote&#8220; machte sich daran, seine erste Salve anzubringen, als der Moment f\u00fcr mich gekommen war!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">May hatte es aufgegeben. &#8222;Das ende&#8220;, dachte er uns setzte sich zurecht, den Todesstreich zu empfangen. Da h\u00f6rte er mein MG. Er blickte \u00fcber die Schulter. &#8222;Gottlob, Brownie!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als er sich wieder umsah, war der &#8222;Rote&#8220; verschwunden, \u00fcber den Rand seines Flugzeuges sah er, wie er tief unten auf die Erde aufschlug.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richthofens Ende war genau wie das seiner meisten Opfer. Er war \u00fcberrascht worden, er war tot, noch bevor er sich von seiner \u00dcberraschung hatte erholgen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alles hatte sich so zuf\u00e4llig, so einfach abgespielt. Ich war herabgekommen, bis mein Vorderteil \u00fcber seinem Schwanzende stand, dann feuerte ich. Die Kugeln rissen sein H\u00f6hensteuer fort und zerfetzten den hinteren Teil des Flugzeuges. Flammen zeigten, wo die Kugeln einschlugen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu kurz gezielt! Ganz sachte zog ich am Steuer&#8230;ich hob mich ein wenig, Kriegsschul\u00fcbung, jetzt kann man&#8217;s. Ein volle Salve ri\u00df die Seite des Flugzeuges auf. Sein F\u00fchrer drehte sich um und blickte auf. Ich sah das Aufleuchten seiner Augen hinter den gro\u00dfen Gl\u00e4sern, dann fiel er zusammen auf den Sitz, Kugeln pfiffen um ihn. Ich stellte das Feuer ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Richthofen war tot. Es spielte sich alles in Sekunden ab, schneller als man es erz\u00e4hlen kann. Sein Flugzeug sch\u00fctterte, schwankte, \u00fcberschlug sich un st\u00fcrzte in die Tiefe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Reservegr\u00e4ben der Australier lagen nur dreihundert Fu\u00df unter uns. Es war ein kurzer Absturz, May sah es, Mellersh sah es auch, und ich, als ich herumschwang.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mellersh hatte einen Streifschu\u00df an der Hand. Zwei Feinde waren hinter ihm her. Ich machte mich, so schnell ich konnte, daran, ihm zu helfen. Die Deutschen spiralten aus dem Kampf heraus und flogen davon. Der Kampf warvor\u00fcber, jeder hatte genug. M\u00fcde kherte ich nach Bertangles zur\u00fcck. Die vielen Man\u00f6ver hatten die Maschine sehr mitgenommen, der Propeller wollte kaum noch mittun. Doch ich erreichte den Flugplatz.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Erste, der mich begr\u00fc\u00dfte, war May.Er rannte auf mich zu und fa\u00dfte meine Hand. &#8222;Gottlob, Brown, hast du den Roten gefa\u00dft? Es sah b\u00f6s mit mir aus, eine Sekunde sp\u00e4ter und es w\u00e4re mit mir vorbei gewesen.&#8220; Er freute sich, noch am Leben zu sein. Mit keiner Silbe wurde der Name Richthofen erw\u00e4hnt. Auch ich sagte nichts. Wohl hatte ich das Gef\u00fchl, da\u00df jener rote Kampfflieger Richthofen gewesen war, der deutsche Adler der L\u00fcfte, doch kam mir der Gedanke, ihn besiegt zu haben, wie eine Unbescheidenheit vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bald darauf setzte ich mich hin, um meinem Bericht zu schreiben. Da erw\u00e4hnte ich, da\u00df ich eine knallrote Maschine zerst\u00f6rt h\u00e4tte. Mein Logbuch zeigte unter jenem Datum folgende Eintragung: &#8222;Trafen auf gro\u00dfen Schwarm feindlicher Maschinen und Albatros-Einsitzer. Drei Maschinen verfolgten mich, so da\u00df ich mich davonmachte. Gewann H\u00f6he. Kehrte zur\u00fcck, scho\u00df auf einen v\u00f6llig roten Apparat, der May verfolgte, hinab, sandte ihn hinunter. Beobachtet von den Leutnants Mellersh und May, griff dann zwei Flieger an, die Leutnant Mellersh verfolgten. Erfolglos!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Rrrrrrr&#8230;rrrr, das Telfon. Der Kommandant am Apparat. Simpsons, unser Chefingenieur, ging, un zu antworten. Kam zur\u00fcck! &#8222;Mensch, Brownie! Bereite dich aud die Orden vor!&#8220; &#8222;Wozu?&#8220; &#8222;Der Alte sagt, der rote Flieger war Richthofen.&#8220; Fast w\u00e4re ich in Ohnmacht gefallen. Zwar hatte ich schon so ein Gef\u00fchl gehabt, da\u00df er es gewesen war.Also doch Richthofen! Der &#8222;rote Baron&#8220;, Deutschlands ber\u00fcmtester Flieger!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es war ein Ruhmestag der Abteilung. Endlich konnten wir mit dem Essen anfangen. Gerade waren wir beim letzten Gang, als Cairns, der Kommandant, eintrat. Wir salutierten, er kam auf mich zu, ernsthaft schaute er drein. Von Gratulierenwollen war nichts zu merken. Seine Stimme klang k\u00fchl: &#8222;Also Brown, Sie behaupten, Richthofen abgeschossen zu haben?&#8220; &#8222;Nein, keineswegs!&#8220; &#8222;Ich dachte doch?&#8220; &#8222;Nein, ich behaupte nur, einen rot gemalten Fokker abgeschossen zu haben. Den Piloten kenne ich nicht.&#8220; &#8222;Also, es war Richthofen! Die Sache is aber die, da\u00df die australische MG-Abteilung sagt, sie h\u00e4tte ihn von unten abgeknallt. Au\u00dferdem ein Rapport, er w\u00e4re von einem R.E. 8 heruntergeholt worden, und dann Ihr Bericht. Es sieht \u00fcbel genug aus!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann nahm ich den Wagen, den der Kommandant hatte warten lassen. Ich holte ihn ab, und fort ging&#8217;s ins Quartier der 11. australischen Infanterie-Brigade. Wir fuhren, ohne eine Wort zu sprechen. Cairns sprach sowieso nicht viel, und mir war die Lust zum Plaudern vergangen. Wir fanden das Zelt des Kommandeurs wohl versteckt auf einem H\u00fcgel inmitten eines Geh\u00f6lzes. Ich glaube, es war irgendwo westlich von Corbie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir fanden Richthofen. Man hatte ihn in der N\u00e4he eines fleigenden Lazaretts niedergelegt. Ein paar Leute standen herum. Der Anblick Richthofens, als ich n\u00e4her trat, gab mir einen Schreck. Er erschien mir so klein, so zierlich. Er sah so freundlich aus, seine F\u00fc\u00dfe waren schmal wie die einer Frau. Sie steckten in feinen Ulanenstiefel, gl\u00e4nzend poliert. Eine Eleganz ging von ihnen aus, die gar nicht pa\u00dfte, als sie so unter dem rauhen Fliegeranzug hervorschauten. Man hatte seine Kappe entfernt, blondes, seidenweiches Haar, wie das eines Kindes, fiel von der breiten hohen Stirn. Sein Gesicht, besonders friedlich, hatte einen Ausdruck von Milde und G\u00fcte, von Vornehmheit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und pl\u00f6tzlich f\u00fchlte ich mich elend, ungl\u00fccklich, als h\u00e4tte ich ein Unrecht begangen. Kein Gef\u00fchl der Freude konnte aufkommen, da\u00df dort Richthofen lag, der gr\u00f6\u00dfte von allen! Schamgef\u00fchl, eine Art \u00c4rger gegen mich selbst, ergriff mich bei dem Gedanken, da\u00df ich ihn gezwungen, nun dort zu liegen, so ruhig, so friedvoll, ohne Leben. Diesen Menschen, der noch vor kurzem so voller Leben gewesen war. Und in meinem Herzen verfluchte ich den Zwang, der zum T\u00f6ten trieb, ich knirschte mit den Z\u00e4hnen, ich verfluchte den Krieg!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">H\u00e4tte ich es gekonnt, wie gerne h\u00e4tte ich ihn ins Leben zur\u00fcckgerufen, aber das ist etwas anderes, als ein Gewehr abschie\u00dfen, ich konnte ihm nicht l\u00e4nger ins Gesicht sehen. Ich ging fort, nicht als Sieger f\u00fchlte ich mich. Ein W\u00fcrgen sa\u00df mir in der Kehle. Ich wartete, bis Cairns mit der Untersuchung fertig war. W\u00e4re es mein liebster Freund gewesen, ich h\u00e4tte keinen gr\u00f6\u00dferen Schmerz empfinden k\u00f6nnen. Sicherlich h\u00e4tte ich mich nicht so elend gef\u00fchlt, h\u00e4tte ich nicht das Ungl\u00fcck gehabt, zu wissen, da\u00df ich ihm get\u00f6tet habe.&#8220;&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[257],"source-language":[260],"source-id-tax":[296],"class_list":["post-12886","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-air-combat-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-der-rote-kampfflieger-von-rittmeister-manfred-freiherrn-von-richthofen-1933-eingeleitet-und-erganzt-von-bolko-freiherr-von-richthofen-mit-einem-vorwort-von-generalfeldmarschall-hermann-goring-verl-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.8 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Roy Brown erz\u00e4hlt - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/roy-brown-erzahlt\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Roy Brown erz\u00e4hlt - Meet The Red Baron\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"&#8222;A. 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Ich hatte ihm das ans Herz gelegt, weil er ein Neuling war und weil ihn ein Kampf so mitnehmen mu\u00dfte, da\u00df es keinen Zweck hatte, danach noch lange in der Luft zu bleiben. In dem Augenblick aber, als er davonscho\u00df, sah ich, wie ein rotes Flugzeug sich auf ihn warf. Da wurde mir \u00fcbel zumute. Aber, als ich mich daran machen wollte, um ihm zu Hilfe zu kommen, da mu\u00dfte ich selbst um mein Leben k\u00e4mpfen, denn drei Flieger kamen auf mich los, um mich zu erdr\u00fccken, ich stand im Kreuzfeuer ihrer Gewehre. Kein Ausweg! Jedenfalls wollte ich es f\u00fcr sie so ungem\u00fctlich wie m\u00f6glich machen! So, nur Ruhe! Ich kann mich nicht erinnern, Furcht gehabt zu haben. Sollte es das Ende sein, gut, dann wenigstens am F\u00fchrersitz meiner alten Maschine! Ich begann zu man\u00f6vrieren. Scho\u00df bald hier-, bald dorthin, \u00fcberschlug mich, spiralte, zickzackte, nur kein festes Ziel bieten! Ich versuchte jeden Trick, den ich kannte, einiges war mir selbst noch neu, hatte es nie vorher versucht. Leise wurde in mir der Gedanke wach, sie in einen Zusammensto\u00df zu verwickeln. Ich lie\u00df sie gerade auf mich loskommen, dann machte ich einen \"Immelmann\", nach oben, dann zur\u00fcck. Unter ihnen kam ich wieder zum Vorschein. Gerade konnte ich sehen, wie zwei von ihnen um Haaresbreite aneinander vorbeischossen. Fast w\u00e4re der Dritte gefa\u00dft worden, h\u00e4tte er nicht einen gro\u00dfen Bogen gemacht.\r\n\r\nIch hatte Zeit, Atem zu holen. W\u00e4hrend sie sich aufrichteten, versuchte ich mich in die H\u00f6he zu schrauben. Jetzt drehten sie und kamen wieder auf mich los. Ich hielt meinen Kurs, bis sie fast mit mir zusammenstie\u00dfen, dann kippte ich nach der Seite und lag nun flach unter ihnen. Wieder entgingen sie knapp dem Zusammensto\u00df. Mit aller Gewalt versuchte ich, H\u00f6he zu gewinnen. Beim Aufrichten verloren sie mich aus den Augen.\r\n\r\nMein erster Gedanks war: wo ist May? Angstvoll suchte ich den Himmel nach ihm ab, hoffend, ihn noch lebendig zu sehen. Endlich entdeckte ich ihn, in der Richtung auf Corbie, n\u00f6rdlich von mir, nach Hause fleigend.\r\n\r\nDann bemerkte ich, da\u00df er verfolgt wurde. Aus dem Dunst heraus scho\u00df ein leuchtend rotes Flugzeug hinter ihm her, in so vorteilhafter Stellung, die leicht zum Verh\u00e4ngnis werden konnte. Ich schraubte mich weiter hoch, um eventuell May schnelle Hilfe zu bringen. Er versuchte zu entkommen, schwenkte jetzt hierhin, jetzt dorthin, zickzackte, doch der Rote blieb unentwegs rechts hinter ihm. Sie glichen zwei Riesenhornissen, die einander jagten, vorw\u00e4rts, seitw\u00e4rts, wieder herum. Sie machten alle Bewegungen gemeinsam. Jede Schwenkung Mays wurde von seinem Gegner wiederholt. Noch schien May ihm nicht unterlegen zu sein.\r\n\r\nDoch bald sah ich, wie der Deutsche an Zwischenraum gewann. Er gab alle Man\u00f6ver auf, flog in gerader Linie.Er verringerte seinen Abstand zusehends. May war noch im Vorteil, gelang es ihm, sein Tempo beizubehalten, so... Pl\u00f6tzlich wurde mir klar, da\u00df er in der Falle sa\u00df. Er hatte alle Kunstst\u00fccke, die er kannte, versucht, er war am Ende seines Witzes. Der rote Flieger war kaum noch hundert Fu\u00df entfernt und lag auf der gleichen Ebene wie May; jeden Augenblick konnte er das Feuer er\u00f6ffnen. Zum Gl\u00fcck hatte ich inzwischen dreitausend Fu\u00df erreicht. Ich schwenkte scharf herum, drehte, richtete mich auf und dann, Kopf voran, scho\u00df ich auf das Schwanzende des Roten zu.\r\n\r\nIch hatte alle Tr\u00fcmpfe in der Hand. War \u00fcber ihm und kam von hinten. May drehte und wand sich wie ein Fish an der Angel. Der \"Rote\" machte sich daran, seine erste Salve anzubringen, als der Moment f\u00fcr mich gekommen war!\r\n\r\nMay hatte es aufgegeben. \"Das ende\", dachte er uns setzte sich zurecht, den Todesstreich zu empfangen. Da h\u00f6rte er mein MG. Er blickte \u00fcber die Schulter. \"Gottlob, Brownie!\"\r\n\r\nAls er sich wieder umsah, war der \"Rote\" verschwunden, \u00fcber den Rand seines Flugzeuges sah er, wie er tief unten auf die Erde aufschlug.\r\n\r\nRichthofens Ende war genau wie das seiner meisten Opfer. Er war \u00fcberrascht worden, er war tot, noch bevor er sich von seiner \u00dcberraschung hatte erholgen k\u00f6nnen.\r\n\r\nAlles hatte sich so zuf\u00e4llig, so einfach abgespielt. Ich war herabgekommen, bis mein Vorderteil \u00fcber seinem Schwanzende stand, dann feuerte ich. Die Kugeln rissen sein H\u00f6hensteuer fort und zerfetzten den hinteren Teil des Flugzeuges. Flammen zeigten, wo die Kugeln einschlugen.\r\n\r\nZu kurz gezielt! Ganz sachte zog ich am Steuer...ich hob mich ein wenig, Kriegsschul\u00fcbung, jetzt kann man's. Ein volle Salve ri\u00df die Seite des Flugzeuges auf. Sein F\u00fchrer drehte sich um und blickte auf. Ich sah das Aufleuchten seiner Augen hinter den gro\u00dfen Gl\u00e4sern, dann fiel er zusammen auf den Sitz, Kugeln pfiffen um ihn. Ich stellte das Feuer ein.\r\n\r\nRichthofen war tot. Es spielte sich alles in Sekunden ab, schneller als man es erz\u00e4hlen kann. Sein Flugzeug sch\u00fctterte, schwankte, \u00fcberschlug sich un st\u00fcrzte in die Tiefe.\r\n\r\nDie Reservegr\u00e4ben der Australier lagen nur dreihundert Fu\u00df unter uns. Es war ein kurzer Absturz, May sah es, Mellersh sah es auch, und ich, als ich herumschwang.\r\n\r\nMellersh hatte einen Streifschu\u00df an der Hand. Zwei Feinde waren hinter ihm her. Ich machte mich, so schnell ich konnte, daran, ihm zu helfen. Die Deutschen spiralten aus dem Kampf heraus und flogen davon. Der Kampf warvor\u00fcber, jeder hatte genug. M\u00fcde kherte ich nach Bertangles zur\u00fcck. Die vielen Man\u00f6ver hatten die Maschine sehr mitgenommen, der Propeller wollte kaum noch mittun. Doch ich erreichte den Flugplatz.\r\n\r\nDer Erste, der mich begr\u00fc\u00dfte, war May.Er rannte auf mich zu und fa\u00dfte meine Hand. \"Gottlob, Brown, hast du den Roten gefa\u00dft? Es sah b\u00f6s mit mir aus, eine Sekunde sp\u00e4ter und es w\u00e4re mit mir vorbei gewesen.\" Er freute sich, noch am Leben zu sein. Mit keiner Silbe wurde der Name Richthofen erw\u00e4hnt. Auch ich sagte nichts. Wohl hatte ich das Gef\u00fchl, da\u00df jener rote Kampfflieger Richthofen gewesen war, der deutsche Adler der L\u00fcfte, doch kam mir der Gedanke, ihn besiegt zu haben, wie eine Unbescheidenheit vor.\r\n\r\nBald darauf setzte ich mich hin, um meinem Bericht zu schreiben. Da erw\u00e4hnte ich, da\u00df ich eine knallrote Maschine zerst\u00f6rt h\u00e4tte. Mein Logbuch zeigte unter jenem Datum folgende Eintragung: \"Trafen auf gro\u00dfen Schwarm feindlicher Maschinen und Albatros-Einsitzer. Drei Maschinen verfolgten mich, so da\u00df ich mich davonmachte. Gewann H\u00f6he. Kehrte zur\u00fcck, scho\u00df auf einen v\u00f6llig roten Apparat, der May verfolgte, hinab, sandte ihn hinunter. Beobachtet von den Leutnants Mellersh und May, griff dann zwei Flieger an, die Leutnant Mellersh verfolgten. Erfolglos!\"\r\n\r\nRrrrrrr...rrrr, das Telfon. Der Kommandant am Apparat. Simpsons, unser Chefingenieur, ging, un zu antworten. Kam zur\u00fcck! \"Mensch, Brownie! Bereite dich aud die Orden vor!\" \"Wozu?\" \"Der Alte sagt, der rote Flieger war Richthofen.\" Fast w\u00e4re ich in Ohnmacht gefallen. Zwar hatte ich schon so ein Gef\u00fchl gehabt, da\u00df er es gewesen war.Also doch Richthofen! Der \"rote Baron\", Deutschlands ber\u00fcmtester Flieger!\r\n\r\nEs war ein Ruhmestag der Abteilung. Endlich konnten wir mit dem Essen anfangen. Gerade waren wir beim letzten Gang, als Cairns, der Kommandant, eintrat. Wir salutierten, er kam auf mich zu, ernsthaft schaute er drein. Von Gratulierenwollen war nichts zu merken. Seine Stimme klang k\u00fchl: \"Also Brown, Sie behaupten, Richthofen abgeschossen zu haben?\" \"Nein, keineswegs!\" \"Ich dachte doch?\" \"Nein, ich behaupte nur, einen rot gemalten Fokker abgeschossen zu haben. Den Piloten kenne ich nicht.\" \"Also, es war Richthofen! Die Sache is aber die, da\u00df die australische MG-Abteilung sagt, sie h\u00e4tte ihn von unten abgeknallt. Au\u00dferdem ein Rapport, er w\u00e4re von einem R.E. 8 heruntergeholt worden, und dann Ihr Bericht. Es sieht \u00fcbel genug aus!\"\r\n\r\nDann nahm ich den Wagen, den der Kommandant hatte warten lassen. Ich holte ihn ab, und fort ging's ins Quartier der 11. australischen Infanterie-Brigade. Wir fuhren, ohne eine Wort zu sprechen. Cairns sprach sowieso nicht viel, und mir war die Lust zum Plaudern vergangen. Wir fanden das Zelt des Kommandeurs wohl versteckt auf einem H\u00fcgel inmitten eines Geh\u00f6lzes. Ich glaube, es war irgendwo westlich von Corbie.\r\n\r\nWir fanden Richthofen. Man hatte ihn in der N\u00e4he eines fleigenden Lazaretts niedergelegt. Ein paar Leute standen herum. Der Anblick Richthofens, als ich n\u00e4her trat, gab mir einen Schreck. Er erschien mir so klein, so zierlich. Er sah so freundlich aus, seine F\u00fc\u00dfe waren schmal wie die einer Frau. Sie steckten in feinen Ulanenstiefel, gl\u00e4nzend poliert. Eine Eleganz ging von ihnen aus, die gar nicht pa\u00dfte, als sie so unter dem rauhen Fliegeranzug hervorschauten. Man hatte seine Kappe entfernt, blondes, seidenweiches Haar, wie das eines Kindes, fiel von der breiten hohen Stirn. Sein Gesicht, besonders friedlich, hatte einen Ausdruck von Milde und G\u00fcte, von Vornehmheit.\r\n\r\nUnd pl\u00f6tzlich f\u00fchlte ich mich elend, ungl\u00fccklich, als h\u00e4tte ich ein Unrecht begangen. Kein Gef\u00fchl der Freude konnte aufkommen, da\u00df dort Richthofen lag, der gr\u00f6\u00dfte von allen! Schamgef\u00fchl, eine Art \u00c4rger gegen mich selbst, ergriff mich bei dem Gedanken, da\u00df ich ihn gezwungen, nun dort zu liegen, so ruhig, so friedvoll, ohne Leben. Diesen Menschen, der noch vor kurzem so voller Leben gewesen war. Und in meinem Herzen verfluchte ich den Zwang, der zum T\u00f6ten trieb, ich knirschte mit den Z\u00e4hnen, ich verfluchte den Krieg!\r\n\r\nH\u00e4tte ich es gekonnt, wie gerne h\u00e4tte ich ihn ins Leben zur\u00fcckgerufen, aber das ist etwas anderes, als ein Gewehr abschie\u00dfen, ich konnte ihm nicht l\u00e4nger ins Gesicht sehen. Ich ging fort, nicht als Sieger f\u00fchlte ich mich. Ein W\u00fcrgen sa\u00df mir in der Kehle. Ich wartete, bis Cairns mit der Untersuchung fertig war. W\u00e4re es mein liebster Freund gewesen, ich h\u00e4tte keinen gr\u00f6\u00dferen Schmerz empfinden k\u00f6nnen. Sicherlich h\u00e4tte ich mich nicht so elend gef\u00fchlt, h\u00e4tte ich nicht das Ungl\u00fcck gehabt, zu wissen, da\u00df ich ihm get\u00f6tet habe.\"\"\r\n\r\n&nbsp;"},"event-type-id":{"type":"numeric","raw":"5"},"source-id":{"type":"numeric","raw":"22"},"source-long-in-event":{"type":"textfield","raw":"Der rote Kampfflieger von Rittmeister Manfred Freiherrn von Richthofen, 1933, Eingeleitet und erg\u00e4nzt von Bolko Freiherr von Richthofen, mit einem Vorwort von Generalfeldmarschall Hermann G\u00f6ring, Verlag Ullstein & Co, Berlin"},"pagenumber":{"type":"textfield","raw":"242"},"airplane-id":{"type":"textfield","raw":"97"},"combat-id":{"type":"textfield","raw":""},"event-type":{"type":"select","raw":"5"},"source-language":{"type":"select","raw":"2"},"picture":{"type":"image","raw":["https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/96.jpg"],"repeatable":[{"raw":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/96.jpg"}]}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event\/12886","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event"}],"about":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/event"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12886"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12886"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event-type?post=12886"},{"taxonomy":"source-language","embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-language?post=12886"},{"taxonomy":"source-id-tax","embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-id-tax?post=12886"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}