{"id":13951,"date":"2021-12-16T17:30:59","date_gmt":"2021-12-16T16:30:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/"},"modified":"2025-01-16T13:16:25","modified_gmt":"2025-01-16T12:16:25","slug":"mit-holck-in-rusland-2","status":"publish","type":"event","link":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/","title":{"rendered":"Mit Holck in Ru\u00dfland"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Mein letzter Flug mit ihm zusammen sollte beinahe schief gehen. Wir hatten eigentlich gar keinen bestimmten Auftrag zu fliegen. Das ist ja aber gerade das Sch\u00f6ne, da\u00df man sich vollst\u00e4ndig als freier Mensch f\u00fchlt und vollkommen sein eigener Herr ist, wenn man mal in der Luft ist. [51]Wir hatten einen Flughafenwechsel vorw\u00e4rts und wu\u00dften nicht genau, welche Wiese nun eigentlich die richtige sei. Um unsere Kiste bei der Landung nicht unn\u00f6tig aufs Spiel zu setzen, flogen wir Richtung Brest-Litowsk. Die Russen waren in vollem R\u00fcckmarsch, alles brannte \u2013 \u2013 ein grausig-sch\u00f6nes Bild. Wir wollten feindliche Kolonnen feststellen und kamen dabei \u00fcber die brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige Rauchwolke, die vielleicht bis auf zweitausend Meter hinaufreichte, hinderte uns am Weiterfliegen, da wir selbst, um besser zu sehen, nur in f\u00fcnfzehnhundert Metern H\u00f6he flogen. Einen Augenblick \u00fcberlegte Holck. Ich fragte ihn, was er machen wollte, und riet ihm, drumherum zu fliegen, was vielleicht ein Umweg von f\u00fcnf Minuten gewesen w\u00e4re. Aber daran dachte Holck gar nicht. Im Gegenteil: je mehr sich die Gefahr erh\u00f6hte, um so reizvoller war es ihm. Also mitten durch! Mir machte es auch Spa\u00df, mit einem so schneidigen Kerl zusammen zu sein. Doch sollte uns unsere Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen, denn kaum war der Schwanz des Apparates in der Wolke verschwunden, schon merkte ich ein Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts mehr sehen, der Rauch bi\u00df mir in die Augen, die Luft war bedeutend w\u00e4rmer, und ich sah unter mir blo\u00df noch ein riesiges Feuermeer. Pl\u00f6tzlich verlor das Flugzeug das Gleichgewicht und st\u00fcrzte, [52]sich \u00fcberschlagend, in die Tiefe. Ich konnte noch schnell eine Strebe erfassen, um mich festzuhalten, sonst w\u00e4re ich \u2019rausgeschleudert worden. Das erste, was ich tat, war ein Blick in Holcks Gesicht. Schon hatte ich wieder Mut gefa\u00dft, denn seine Mienen waren eisern zuversichtlich. Der einzige Gedanke, den ich hatte, war der: es ist doch dumm, auf so unn\u00f6tige Weise den Heldentod zu sterben. Sp\u00e4ter fragte ich Holck, was er sich eigentlich in dem Augenblick gedacht h\u00e4tte. Da meinte er, da\u00df ihm doch noch nie so eklig zumute gewesen sei. Wir st\u00fcrzten herunter bis auf f\u00fcnfhundert Meter \u00fcber die brennende Stadt. War es die Geschicklichkeit meines F\u00fchrers oder h\u00f6here F\u00fcgung, vielleicht auch beides, jedenfalls waren wir pl\u00f6tzlich aus der Rauchwolke herausgefallen, der gute Albatros fing sich wieder und flog erneut geradeaus, als sei nichts vorgefallen. Wir hatten nun doch die Nase voll von unserem Flughafenwechsel und wollten schleunigst zu unseren Linien zur\u00fcckkehren. Wir waren n\u00e4mlich noch immer weit dr\u00fcben bei den Russen und zudem nur noch in f\u00fcnfhundert Metern H\u00f6he. Nach etwa f\u00fcnf Minuten ert\u00f6nte hinter mir die Stimme Holcks: \u00bbDer Motor l\u00e4\u00dft nach.\u00ab Ich mu\u00df hinzuf\u00fcgen, da\u00df Holck von einem Motor nicht ganz dieselbe Ahnung hatte wie von einem \u00bbHafervergaser\u00ab, und ich selbst war vollst\u00e4ndig schimmerlos. Nur eines wu\u00dfte ich, da\u00df, [53]wenn der Motor nicht mehr mitmachte, wir bei den Russen landen mu\u00dften. Also kamen wir aus der einen Gefahr in die andere. Ich \u00fcberzeugte mich, da\u00df die Russen unter uns noch flott marschierten, was ich aus f\u00fcnfhundert Metern H\u00f6he genau sehen konnte. Im \u00fcbrigen brauchte ich gar nichts zu sehen, denn der Ru\u00dfki scho\u00df mit Maschinengewehren wie verfault. Es h\u00f6rte sich an, als wenn Kastanien im Feuer liegen. Der Motor h\u00f6rte bald ganz auf zu laufen, er hatte einen Treffer. So kamen wir immer tiefer, bis wir gerade noch \u00fcber einem Wald ausschwebten und schlie\u00dflich in einer verlassenen Artilleriestellung landeten, die ich noch am Abend vorher als besetzte russische Artilleriestellung gemeldet hatte. Ich teilte Holck meine Vermutungen mit. Wir sprangen \u2019raus aus der Kiste und versuchten, das nahe Waldst\u00fcckchen zu erreichen, um uns dort zur Wehr zu setzen. Ich verf\u00fcgte \u00fcber eine Pistole und sechs Patronen, Holck hatte nichts. Am Waldrande angekommen, machten wir halt, und ich konnte mit meinem Glase erkennen, wie ein Soldat auf unser Flugzeug zulief. Zu meinem Schreck stellte ich fest, da\u00df er eine M\u00fctze trug und nicht eine Pickelhaube. Das hielt ich f\u00fcr ein sicheres Zeichen, da\u00df es ein Russe sei. Als der Mann n\u00e4her kam, stie\u00df Holck einen [54]Freudenschrei aus, denn es war ein preu\u00dfischer Gardegrenadier. Unsere Elitetruppe hatte wieder einmal die Stellung beim Morgengrauen gest\u00fcrmt und war bis zu den feindlichen Batteriestellungen durchgebrochen. * Ich erinnere mich, da\u00df Holck bei dieser Gelegenheit seinen kleinen Liebling, ein H\u00fcndchen, verlor. Er nahm das Tierchen bei jedem Aufstieg mit, es lag ganz ruhig in seinem Pelz unten in der Karosserie. Im Walde hatten wir es noch mit. Kurz darauf, als wir mit dem Gardegrenadier gesprochen hatten, kamen Truppen vorbeigezogen. Dann kamen St\u00e4be von der Garde und Prinz Eitel Friedrich mit seinen Adjutanten und Ordonnanzoffizieren. Der Prinz lie\u00df uns Pferde geben, so da\u00df wir beiden Kavallerieflieger mal wieder auf richtigen \u00bbHafermotoren\u00ab sa\u00dfen. Leider ging uns beim Weiterreiten das H\u00fcndchen verloren. Es mu\u00df wohl mit anderen Truppen mitgelaufen sein. Sp\u00e4tabends kamen wir schlie\u00dflich mit einem Panjewagen in unseren Flughafen zur\u00fcck. Die Maschine war futsch.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","event-type":[253],"source-language":[260],"source-id-tax":[293],"class_list":["post-13951","event","type-event","status-publish","hentry","event-type-general-event-de","source-language-deutsch-de","source-id-tax-der-rote-kampfflieger-von-rittmeister-manfred-freiherrn-von-richthofen-1917-351-000-400-000-verlag-ullstein-co-berlin-wien-de","entry","no-media"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v25.8 - https:\/\/yoast.com\/wordpress\/plugins\/seo\/ -->\n<title>Mit Holck in Ru\u00dfland - Meet The Red Baron<\/title>\n<meta name=\"robots\" content=\"index, follow, max-snippet:-1, max-image-preview:large, max-video-preview:-1\" \/>\n<link rel=\"canonical\" href=\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/\" \/>\n<meta property=\"og:locale\" content=\"de_DE\" \/>\n<meta property=\"og:type\" content=\"article\" \/>\n<meta property=\"og:title\" content=\"Mit Holck in Ru\u00dfland - Meet The Red Baron\" \/>\n<meta property=\"og:description\" content=\"Mit Holck in Ru\u00dfland\" \/>\n<meta property=\"og:url\" content=\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/\" \/>\n<meta property=\"og:site_name\" content=\"Meet The Red Baron\" \/>\n<meta property=\"article:modified_time\" content=\"2025-01-16T12:16:25+00:00\" \/>\n<script type=\"application\/ld+json\" class=\"yoast-schema-graph\">{\"@context\":\"https:\/\/schema.org\",\"@graph\":[{\"@type\":\"WebPage\",\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/\",\"url\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/\",\"name\":\"Mit Holck in Ru\u00dfland - Meet The Red Baron\",\"isPartOf\":{\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#website\"},\"datePublished\":\"2021-12-16T16:30:59+00:00\",\"dateModified\":\"2025-01-16T12:16:25+00:00\",\"breadcrumb\":{\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/#breadcrumb\"},\"inLanguage\":\"de\",\"potentialAction\":[{\"@type\":\"ReadAction\",\"target\":[\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/\"]}]},{\"@type\":\"BreadcrumbList\",\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/#breadcrumb\",\"itemListElement\":[{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":1,\"name\":\"Home\",\"item\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":2,\"name\":\"Events\",\"item\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/\"},{\"@type\":\"ListItem\",\"position\":3,\"name\":\"Mit Holck in Ru\u00dfland\"}]},{\"@type\":\"WebSite\",\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#website\",\"url\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/\",\"name\":\"Meet The Red Baron\",\"description\":\"The life and death of Manfred von Richthofen.\",\"publisher\":{\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/fd320c77882d0d84e4b88ef15120767f\"},\"potentialAction\":[{\"@type\":\"SearchAction\",\"target\":{\"@type\":\"EntryPoint\",\"urlTemplate\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/?s={search_term_string}\"},\"query-input\":{\"@type\":\"PropertyValueSpecification\",\"valueRequired\":true,\"valueName\":\"search_term_string\"}}],\"inLanguage\":\"de\"},{\"@type\":[\"Person\",\"Organization\"],\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/fd320c77882d0d84e4b88ef15120767f\",\"name\":\"heinpoblome\",\"image\":{\"@type\":\"ImageObject\",\"inLanguage\":\"de\",\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/image\/\",\"url\":\"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/266-scaled.jpg\",\"contentUrl\":\"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/266-scaled.jpg\",\"width\":1850,\"height\":2560,\"caption\":\"heinpoblome\"},\"logo\":{\"@id\":\"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/image\/\"},\"sameAs\":[\"http:\/\/www.meettheredbaron.com\"]}]}<\/script>\n<!-- \/ Yoast SEO plugin. -->","yoast_head_json":{"title":"Mit Holck in Ru\u00dfland - Meet The Red Baron","robots":{"index":"index","follow":"follow","max-snippet":"max-snippet:-1","max-image-preview":"max-image-preview:large","max-video-preview":"max-video-preview:-1"},"canonical":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/","og_locale":"de_DE","og_type":"article","og_title":"Mit Holck in Ru\u00dfland - Meet The Red Baron","og_description":"Mit Holck in Ru\u00dfland","og_url":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/","og_site_name":"Meet The Red Baron","article_modified_time":"2025-01-16T12:16:25+00:00","schema":{"@context":"https:\/\/schema.org","@graph":[{"@type":"WebPage","@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/","url":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/","name":"Mit Holck in Ru\u00dfland - Meet The Red Baron","isPartOf":{"@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#website"},"datePublished":"2021-12-16T16:30:59+00:00","dateModified":"2025-01-16T12:16:25+00:00","breadcrumb":{"@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/#breadcrumb"},"inLanguage":"de","potentialAction":[{"@type":"ReadAction","target":["https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/"]}]},{"@type":"BreadcrumbList","@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/mit-holck-in-rusland-2\/#breadcrumb","itemListElement":[{"@type":"ListItem","position":1,"name":"Home","item":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/"},{"@type":"ListItem","position":2,"name":"Events","item":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/event\/"},{"@type":"ListItem","position":3,"name":"Mit Holck in Ru\u00dfland"}]},{"@type":"WebSite","@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#website","url":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/","name":"Meet The Red Baron","description":"The life and death of Manfred von Richthofen.","publisher":{"@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/fd320c77882d0d84e4b88ef15120767f"},"potentialAction":[{"@type":"SearchAction","target":{"@type":"EntryPoint","urlTemplate":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/?s={search_term_string}"},"query-input":{"@type":"PropertyValueSpecification","valueRequired":true,"valueName":"search_term_string"}}],"inLanguage":"de"},{"@type":["Person","Organization"],"@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/fd320c77882d0d84e4b88ef15120767f","name":"heinpoblome","image":{"@type":"ImageObject","inLanguage":"de","@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/image\/","url":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/266-scaled.jpg","contentUrl":"https:\/\/www.meettheredbaron.com\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/266-scaled.jpg","width":1850,"height":2560,"caption":"heinpoblome"},"logo":{"@id":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/#\/schema\/person\/image\/"},"sameAs":["http:\/\/www.meettheredbaron.com"]}]}},"toolset-meta":{"field-group-for-events-2":[],"field-group-for-events":{"date":{"type":"date","raw":"-1715731200","formatted":"08\/20\/1915 00:00"},"date-as-a-string":{"type":"textfield","raw":"8\/20\/1915"},"date-description":{"type":"textfield","raw":"Juni, Juli, August 1915"},"geolocation":{"type":"google_address","raw":"50.233416763269105, 23.621321531058662"},"location-description":{"type":"textfield","raw":"near Lviv"},"town-name":{"type":"textfield","raw":"Rawa Ruska"},"historical-town-name":{"type":"textfield","raw":""},"event-id":{"type":"numeric","raw":"108"},"event-short":{"type":"textfield","raw":"Mit Holck in Ru\u00dfland"},"event-description":{"type":"wysiwyg","raw":"\"Mein letzter Flug mit ihm zusammen sollte beinahe schief gehen. Wir hatten eigentlich gar keinen bestimmten Auftrag zu fliegen. Das ist ja aber gerade das Sch\u00f6ne, da\u00df man sich vollst\u00e4ndig als freier Mensch f\u00fchlt und vollkommen sein eigener Herr ist, wenn man mal in der Luft ist. [51]Wir hatten einen Flughafenwechsel vorw\u00e4rts und wu\u00dften nicht genau, welche Wiese nun eigentlich die richtige sei. Um unsere Kiste bei der Landung nicht unn\u00f6tig aufs Spiel zu setzen, flogen wir Richtung Brest-Litowsk. Die Russen waren in vollem R\u00fcckmarsch, alles brannte \u2013 \u2013 ein grausig-sch\u00f6nes Bild. Wir wollten feindliche Kolonnen feststellen und kamen dabei \u00fcber die brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige Rauchwolke, die vielleicht bis auf zweitausend Meter hinaufreichte, hinderte uns am Weiterfliegen, da wir selbst, um besser zu sehen, nur in f\u00fcnfzehnhundert Metern H\u00f6he flogen. Einen Augenblick \u00fcberlegte Holck. Ich fragte ihn, was er machen wollte, und riet ihm, drumherum zu fliegen, was vielleicht ein Umweg von f\u00fcnf Minuten gewesen w\u00e4re. Aber daran dachte Holck gar nicht. Im Gegenteil: je mehr sich die Gefahr erh\u00f6hte, um so reizvoller war es ihm. Also mitten durch! Mir machte es auch Spa\u00df, mit einem so schneidigen Kerl zusammen zu sein. Doch sollte uns unsere Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen, denn kaum war der Schwanz des Apparates in der Wolke verschwunden, schon merkte ich ein Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts mehr sehen, der Rauch bi\u00df mir in die Augen, die Luft war bedeutend w\u00e4rmer, und ich sah unter mir blo\u00df noch ein riesiges Feuermeer. Pl\u00f6tzlich verlor das Flugzeug das Gleichgewicht und st\u00fcrzte, [52]sich \u00fcberschlagend, in die Tiefe. Ich konnte noch schnell eine Strebe erfassen, um mich festzuhalten, sonst w\u00e4re ich \u2019rausgeschleudert worden. Das erste, was ich tat, war ein Blick in Holcks Gesicht. Schon hatte ich wieder Mut gefa\u00dft, denn seine Mienen waren eisern zuversichtlich. Der einzige Gedanke, den ich hatte, war der: es ist doch dumm, auf so unn\u00f6tige Weise den Heldentod zu sterben. Sp\u00e4ter fragte ich Holck, was er sich eigentlich in dem Augenblick gedacht h\u00e4tte. Da meinte er, da\u00df ihm doch noch nie so eklig zumute gewesen sei. Wir st\u00fcrzten herunter bis auf f\u00fcnfhundert Meter \u00fcber die brennende Stadt. War es die Geschicklichkeit meines F\u00fchrers oder h\u00f6here F\u00fcgung, vielleicht auch beides, jedenfalls waren wir pl\u00f6tzlich aus der Rauchwolke herausgefallen, der gute Albatros fing sich wieder und flog erneut geradeaus, als sei nichts vorgefallen. Wir hatten nun doch die Nase voll von unserem Flughafenwechsel und wollten schleunigst zu unseren Linien zur\u00fcckkehren. Wir waren n\u00e4mlich noch immer weit dr\u00fcben bei den Russen und zudem nur noch in f\u00fcnfhundert Metern H\u00f6he. Nach etwa f\u00fcnf Minuten ert\u00f6nte hinter mir die Stimme Holcks: \u00bbDer Motor l\u00e4\u00dft nach.\u00ab Ich mu\u00df hinzuf\u00fcgen, da\u00df Holck von einem Motor nicht ganz dieselbe Ahnung hatte wie von einem \u00bbHafervergaser\u00ab, und ich selbst war vollst\u00e4ndig schimmerlos. Nur eines wu\u00dfte ich, da\u00df, [53]wenn der Motor nicht mehr mitmachte, wir bei den Russen landen mu\u00dften. Also kamen wir aus der einen Gefahr in die andere. Ich \u00fcberzeugte mich, da\u00df die Russen unter uns noch flott marschierten, was ich aus f\u00fcnfhundert Metern H\u00f6he genau sehen konnte. Im \u00fcbrigen brauchte ich gar nichts zu sehen, denn der Ru\u00dfki scho\u00df mit Maschinengewehren wie verfault. Es h\u00f6rte sich an, als wenn Kastanien im Feuer liegen. Der Motor h\u00f6rte bald ganz auf zu laufen, er hatte einen Treffer. So kamen wir immer tiefer, bis wir gerade noch \u00fcber einem Wald ausschwebten und schlie\u00dflich in einer verlassenen Artilleriestellung landeten, die ich noch am Abend vorher als besetzte russische Artilleriestellung gemeldet hatte. Ich teilte Holck meine Vermutungen mit. Wir sprangen \u2019raus aus der Kiste und versuchten, das nahe Waldst\u00fcckchen zu erreichen, um uns dort zur Wehr zu setzen. Ich verf\u00fcgte \u00fcber eine Pistole und sechs Patronen, Holck hatte nichts. Am Waldrande angekommen, machten wir halt, und ich konnte mit meinem Glase erkennen, wie ein Soldat auf unser Flugzeug zulief. Zu meinem Schreck stellte ich fest, da\u00df er eine M\u00fctze trug und nicht eine Pickelhaube. Das hielt ich f\u00fcr ein sicheres Zeichen, da\u00df es ein Russe sei. Als der Mann n\u00e4her kam, stie\u00df Holck einen [54]Freudenschrei aus, denn es war ein preu\u00dfischer Gardegrenadier. Unsere Elitetruppe hatte wieder einmal die Stellung beim Morgengrauen gest\u00fcrmt und war bis zu den feindlichen Batteriestellungen durchgebrochen. * Ich erinnere mich, da\u00df Holck bei dieser Gelegenheit seinen kleinen Liebling, ein H\u00fcndchen, verlor. Er nahm das Tierchen bei jedem Aufstieg mit, es lag ganz ruhig in seinem Pelz unten in der Karosserie. Im Walde hatten wir es noch mit. Kurz darauf, als wir mit dem Gardegrenadier gesprochen hatten, kamen Truppen vorbeigezogen. Dann kamen St\u00e4be von der Garde und Prinz Eitel Friedrich mit seinen Adjutanten und Ordonnanzoffizieren. Der Prinz lie\u00df uns Pferde geben, so da\u00df wir beiden Kavallerieflieger mal wieder auf richtigen \u00bbHafermotoren\u00ab sa\u00dfen. Leider ging uns beim Weiterreiten das H\u00fcndchen verloren. Es mu\u00df wohl mit anderen Truppen mitgelaufen sein. Sp\u00e4tabends kamen wir schlie\u00dflich mit einem Panjewagen in unseren Flughafen zur\u00fcck. Die Maschine war futsch.\""},"event-type-id":{"type":"numeric","raw":"2"},"source-id":{"type":"numeric","raw":"4"},"source-long-in-event":{"type":"textfield","raw":"Der rote Kampfflieger von Rittmeister Manfred Freiherrn von Richthofen, 1917, 351.000 - 400.000, Verlag Ullstein & Co, Berlin-Wien"},"pagenumber":{"type":"textfield","raw":""},"airplane-id":{"type":"textfield","raw":""},"combat-id":{"type":"textfield","raw":""},"event-type":{"type":"select","raw":"2"},"source-language":{"type":"select","raw":"2"},"picture":{"type":"image","raw":[""],"repeatable":[{"raw":""}]}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event\/13951","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event"}],"about":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/event"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13951"}],"wp:term":[{"taxonomy":"event-type","embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/event-type?post=13951"},{"taxonomy":"source-language","embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-language?post=13951"},{"taxonomy":"source-id-tax","embeddable":true,"href":"https:\/\/dev.meettheredbaron.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/source-id-tax?post=13951"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}